Der Zusammenbruch der Herrschaft Napoleons des Ersten
von Or. G. Grosch in Sonnebcrg
ie Antike ist beherrscht von der Idee der Welteroberung. Kein Staat erkennt den andern an, kein Herrscher begnügt sich mit seinem Reiche. Stetes Streben nach Vergrößerung des eigenen Territoriums: das ist das Charakteristikum jeder Regierungsform im Altertum, der absoluten Despotie wie der Republik, der Oligarchie wie der Ochlokratie. Die Konsequenz ist die, daß man schließlich nach der Weltherrschaft trachtet, ein Ideal, unter dessen Bann das ganze Altertum steht, dem Alexander der Große seinen Ruhm, das Imperium Romanum seine Ausbreitung verdankt.
Letzten Endes ist jenes Ideal aufgestellt worden, um den Krieg auszuschalten. Im Innern der gesellschaftlichen Verbände, der Staaten herrscht der Friede; doch sind sie stetig umdroht von den Nachbarn. Das Bestreben nun, den Krieg aller gegen alle für die Gemeinschaften der Menschen auszuschalten, hat zu dem Postulat einer Weltmonarchie geführt. Der Gedanke ist der, daß nach der Durchführung dieses Planes nur eine Gesellschaft vorhanden ist, die sich dann nicht mehr selber bekriegen kann.
Es soll also nicht sowohl der Krieg aller gegen alle, wie er im Naturzustände besteht, für die Gemeinschaften ausgemerzt, sondern der Krieg soll bis zum äußersten Ende gebracht werden, wo er dann angeblich von selber aufhören muß. Welteroberung will somit nicht Überwindung des Naturzustandes — das erziele!i«die Menschen durch die von ihnen geschaffenen Gesellschaftsformen —, sondern Anpassung an diesen; „die Weltmonarchie bedeutet die Gewalt!" Welteroberung treiben heißt somit den Krieg in Permanenz erklären. Die nach der Weltmacht trachtenden Staaten vermögen uns eine gute Illustration hierfür zu geben; selbst in Rom, das doch Grenzboten II 1913 38