Aus Arndts Vermächtnis
von Albrecht Sühr in GöttingLn
as seit Jahren im stillen von Scharnhorst, Stein, Hardenberg u. a. vorbereitet worden, soll ins Leben treten; wir aber haben nun durch die Tat zu beweisen, daß es nicht leere und vergebene Worte waren, welche Fichte, Schleiermacher, Arndt und Iahn an die deutsche Jugend richteten." So heißt es in dem Briefe eines jungen Freiheitskämpfers aus Breslau vom 3. Februar 1813. Kaum ein anderes Wort aus jenen Heldentagen vor hundert Jahren beleuchtet Heller, was Arndt den Kämpfern für Deutschlands Freiheit war. — Was ist er uns heute? Gehören auch uns seine Schriften noch „zu dem Kräftigsten und Er- weckungsreichsten, was je eine deutsche Feder geschrieben"? Hat man bei den Erinnerungsfeiern in Königsberg seiner gedacht? Im Januar und Februar 1313 hat er dort „das Schwingen, Ringen und Klingen dieser Morgenröte deutscher Freiheit" fördern helfen, indem er die Preußen aufrief zur Tat und ihnen sagte, was Landsturm und Landwehr bedeuten sollten! Auch bei der Feier der Berliner Universität scheint man nur sein Lied von dem Gott, der keine Knechte wollte, gesungen zu haben. Ob man sich aber allgemein bewußt war und der deutschen Jugend eindringlich zu Gemüte geführt hat, wieviel Arndt zur Entwicklung des deutschen Nationalbewußtseins beigetragen hat, erscheint mir nach den mir vorliegenden Berichten sehr zweifelhaft. Und — mögen auch wirklich einzelne Kenner und Freunde Arndtschen Wesens in Erinnerungsfeiern sich seiner angenommen haben, — auch Arndt will weniger erhoben und fleißiger gelesen sein. Er hat ein Recht darauf, nicht nur ein historisches; wir sind es ihni schuldig, nicht nur aus Pietät. Ich kann Victor Klemperer, dessen gedankenreicher Aufsatz in diesen Blättern (1910 Nr. 4) mir sonst viel Freude bereitete, nicht beistimmen, wenn er meint, man müsse die Feststellung, daß Arndts Lebenswerk im Gedächtnis der Heutigen nicht mehr viel gelte, als dem natürlichen Verlauf der Dinge entsprechend ohne Tadel hinnehmen. Nein, nimmermehr! Im Gegenteil! Laßt uns nicht müde werden gegenüber der Lässigkeit und Eigenliebe der vielen, sondern immer wieder unsere Jugend,