Maßgebliches und Unmaßgebliches
283
eine ungeheure Masse Opium an, die unverkäuflich bleibe. Außerdem sei die Opiumproduktion in chinesischen Provinzen trotz der gegenteiligen gesetzlichen Bestimmungen nicht abgeschafft. China dagegen steht auf dem Standpunkt, daß die Anhäufung des Opiums in Indien eine Folge der Spekulation der Händler fei, daß der Verkauf von Opium nicht garantiert sei und daß keine Verletzung der Verträge vorliege. Nach einer Mitteilung aus Peking sind in Schanghai trotz aller Gegenbemühungen der chinesischen Regierung für elf Millionen Pfund Sterling indisches Opium aufgestapelt! Besonders in verschiedenen Jangtse- Provinzen wird energisch gegen den Opiumhandel gearbeitet und man wünscht sogar die Abschaffung der englisch-chinesischen Konvention, die bis zum Jahre 1917 eine allmähliche Unterdrückung des Opiumhandels vorsieht. Gelingt es der gegenwärtigen Agitation, den Opiumhandel noch mehr als bisher einzuschränken, so droht eine schwere Finanzkrise, da drei britische Banken mit sehr hohen Summen beteiligt sind.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
In memoris m
Erich Schmidt -j-. Wenn ich hier in den grünen Heften dem Wunsche des Herausgebers folgend dem verewigten Lehrer und väterlichen Freunde Erich Schmidt einige Worte des Gedenkens widme, so geschieht eS unter dem frischen Eindruck des tiefen Schmerzes, daß wir einen der besten Menschen verloren haben. Sprach man von ihm, so nannte man ihn kurzweg „Erich": nichts charakterisiert treffender die Beliebtheit des Professors bei den Studenten, das vertrauliche Verhältnis und die schwärmerische Verehrung aller, die seines näheren Umganges gewürdigt wurden. Er war ja nicht nur der Lehrer seiner Schüler, deren wissenschaftliche Arbeiten er mit stets regem Interesse begleitete und förderte, er nahm auch herzlichen Anteil an ihren persönlichen Verhältnissen. Was er — und mit ihm seine gütige, hilfsbereite Gattin — für viele in schwierigen materiellen und seelischen Nöten und Bedrängnissen getan und ohne viele Worte gesorgt hat, das wird ihm nie vergessen werden.
Der Gedanke erscheint uns unfaßbar, daß er nicht mehr unter uns weilt; denn er ge
hörte zu den Bedingnissen des eigenen Daseins, er verkörperte in sich ein wesentliches Stück des Wertes und der Schönheit des eigenen Lebens. Dieser ganz Persönliche Zauber, der von seiner vornehmen, imponierenden Gestalt mit dem prachtvollen Cä- sarenkopf ausging, soll uns nicht mehr in seinen Bann ziehen? Wahrhaft grausam hat hier das Schicksal gewaltet, das durch ein tückisches Leiden den noch nicht Sechzigjährigen seinem großen Wirkungskreise jäh entriß.
In der anstrengenden Lehrtätigkeit und der stillen Arbeit des Gelehrten am Schreibtisch inmitten seiner kostbaren, seltenen Bücherschätze erschöpfte sich nicht die Kraft dieses nie rastenden Geistes. Erich Schmidt war eine der bekanntesten Erscheinungen des Berliner Gesellschafts- und Theaterlebens, er stand an der Spitze der Goethe-Gesellschaft, die erst vor kurzem in Jacob Minor auch den Vizepräsidenten verloren hatte, er leitete die Gesellschaft für deutsche Literatur und war der regelmäßige Besucher der Berliner Germanistenkneipe, wo er im Kreise alter und junger Schüler, zu denen sich oft Gäste, auch aus fremden Ländern, gesellten, den Dienstagabend verlebte. Gerade hier beim Krug