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Nach dem Fall von Skutari
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Nach dem Fall von skutari

von ZV. von Massorv in Berlin

ie orientalische Frage ist von jeher von den Diplomaten gefürchtet worden, nicht so sehr wegen der eigentümlichen Schwierigkeiten, die sie in sich barg, als wegen der stets erneuten Erfahrung, daß auf diesem Gebiet meist gerade das Unwahrscheinliche Er­eignis wird. Gerade als sich der Glaube zu befestigen anfing, daß man nun endlich in den für den Friedensschluß unternommenen Arbeiten über den toten Punkt hinwegkommen werde, hat das kleinewiderspenstige" Montenegro wie es Staatssekretär von Jagow neulich nannte die Welt um eine Erfahrung bereichert, die vielleicht sogar den alten Ben Akiba, wenn er es hätte erleben können, einen Augenblick in seiner bewährten Weisheit stutzig gemacht hätte. Die Tagespresse hätte nicht das fein müssen, was sie doch sein soll der Spiegel der öffentlichen Meinung, wenn sie nicht bei der Nachricht von der Kapitulation von Skutari eine starke Aufregung bekundet hätte.

Ein unbefangener Zeitungsleser wird vielleicht in den Stimmen, die un­mittelbar nach dem Fall von Skutari laut wurden, vorwiegend den Ausdruck der Überraschung erkannt haben. War es in der Tat eine Überraschung? In gewissem Sinne allerdings! In der Diplomatie überwog vor dem Ereignis anscheinend der Eindruck, daß die Hartnäckigkeit des Königs Nikita abgesehen davon, daß sie wohl auch als Bluff wirken sollte ihren Hauptgrund in der Hoffnung auf die Nachgiebigkeit der russischen Politik hatte. Die Diplomatie glaubte, daß ein ernstes Wort Rußlands seine Wirkung nicht verfehlen und den König Nikita veranlassen werde, Skutari, auch wenn er es genommen haben sollte, zu räumen. Diese Erwartung ist freilich getäuscht worden, gründlicher auch das muß gesagt werden, als es selbst die stärksten Skeptiker voraus­gesehen hatten. Montenegro ist Rußland mit derselben Respektlosigkeit gegen­übergetreten, wie den übrigen Großmächten, ja es hat, wenn man das historische Verhältnis des kleinsten Slawenstaates zum größten in Betracht zieht, darin sogar noch ein übriges getan, etwa wie der unartige Junge, der von Fremden über den Zaun hinüber zur Ordnung gerufen wird, sich gar nicht Grenzboten II 1913 14