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Die Rodia : Erzählung aus Ceylon :
(Schluß)
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Die Rodia

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Du hast ein Kind, Widschaja?" fragte ich erschüttert.

Dort in der Hütte schläft mein und Kuwenis Kind," erwiderte er leise. Die Eltern werden es versorgen, aber sie sind früh gealtert und werden die Kraft zum Heranziehen eines frischen Menschenlebens nicht mehr haben. Dazu drückt der Gedanke auf meine Seele, daß das kleine Wesen glücklos in ein jammervolles Dasein tritt."

Ich war tief bewegt. Einen Blick noch warf ich auf die tote Mutter unter den Blumen, dann sagte ich zu Widschaja:Ich will für das Kind sorgen, es soll kein Rodia werden."

Ich danke dir," klang es mir aus übervollem Herzen entgegen. Über den: Grabe reichten wir uns die Hände. Die Tote sah es nicht, konnte uns den Muttersegen nicht geben. Es war dunkel geworden. Nur im Weste» flammte der Himmel in strahlendem Rot und über uns zogen lichte Wolken, von goldenen Rändern umsäumt, über die klare Bläue.. In Widschajas Augen aber leuchtete der Glanz des Himmels wieder.

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»

Der Pflanzer hatte geendet. Eine Weile hörte man nur das Schrillen der Insekten in der tropischen Nacht da draußen. Dann fragte ich:Und was ist aus dem Kinde geworden?"

Kommen Sie," sagte er statt aller Antwort. Wir schritten die Stufen der Veranda hinab. Der Mond hatte sich hinter den Bäumen verborgen, aber die Sterne funkelten vom Himmel und überall zwischen den Bäumen flogen die Leuchtkäfer, indem sie ihr grünes Väterlichen in kurzen Rhythmen aufleuchten und verlöschen ließen. Wir kamen an eine Wiese, über der Millionen grüner Lichter glitzerten, ein lautloses, verwirrendes Funkenstieben. Ein kleines Häuschen lag da. von zwei hohen Palmen überragt. Wir gingen näher heran. Von einer weißen Treppe erhob sich eine Gestalt, ich erkannte die tamilische Frau. Sie trat nach einigen geflüsterten Worten zur Seite. Der Pflanzer wandte sich zu mir, legte den Finger auf die Lippen und schritt hinein. Ich folgte.

Ein Märchen tat sich vor meinen Augen aus! In traulichem Raume schwebte eine rote Ampel und goß mildes Licht auf ein Mädchen, das auf einem Lager ruhte. Die Züge waren von wunderbarer Schönheit, schwarzes, glän­zendes Haar umfloß die reizende Gestalt. Alte indische Sagen erwachten. Draupadi", klang es in mir,Sakuntala". Ruhig schlief das Mädchen, sanfte Atemzüge hoben und senkten die liebliche Brust.

Wir gingen hinaus.Das ist Widschajas und Kuwenis Kind," sagte der Pflanzer,ich pflege diese Blume. Ihretwegen vor allem habe ich meine erste Pflanzung aufgegeben. Niemand weiß hier von ihrer Herkunft, aber ich lasse sie doch nur wenig mit meinen Dienstboten in Berührung kommen, wenn ich auch zu diesen jetzt vorsorglich nur Tamilen nehme. Eine treue Dienerin habe