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Maßgebliches und UnmcisMl'liches
schaften zu ergründen suchen, und bedient sich dabei grundsätzlich derselbe» Mittel. Vielfach sieht man jedoch nicht auf diese wesentliche Übereinstimmung zwischen Philosophie und Einzelwissenschafte» in den Mitteln, sondern rückt, unter einseitiger Betonung der Gleichheit des Zieles, die Philosophie von den Einzel- wissenschafle» ab und an Kunst und Religion heran. In der Tat streben Philosophie, Religion und Kunst alle drei nach dem gleichen Ziele einer Gesamtauffassung des Wirklichen. Aber während die Kunst dieses Ziel durch die sinnliche Anschauung und Gestaltung, die Religion auf der Grundlage des Gefühlserlebnisses zu erreichen sucht, will die Philosophie erkenne» und verstehen, um zuallgemeingültigen, d. h, wissenschaftlichen Urteilen zu gelangen.
Die Vorurteile der Einzelwissenschaftcn gegen die Philosophie werden am besten dadurch beseitigt, daß man das Verhältnis zwischen beiden klar bestimmt. Ist die Philosophie Wissenschaft im gleichen Sinne wie die Einzelwissenschaften? Was führt alle Einzelwissenschafter mit Notwendigkeit zur Philosophie hin? Die erste Frage hat man zu verneinen gesucht »nt dem Hinweis auf die geschichtliche Tatsache, daß die heutigen Einzelwissenschaften der Reihe nach aus der ursprünglichen Bormundschaft der philosophischen Mutterwissenschaft ausgeschieden seien. Dieser geschichtliche Vorgang soll ein Beweis sein für die systematische Tatsache, daß für die Philosophie nach endgültiger angemessener Verteilung des gesamten wissenschaftlichen Forschungsstoffes nichts »lehr übrig bleibe. Der Philosoph soll gegenüber den Einzelwissenschaftern zu kurz gekommen sein, wie der Poet in Schillers „Teilung der Erde". Aber jener Ausscheidungsprozeß, der sich im Laufe der geschichtlichen Entwicklung vollzogen hat, war niemals ein Auflösungsprozeß! Er bewirkte vielmehr nur die Trennung Philosophischer und sonderwissenschnftlicher Probleme und Problemlösungen auf immer zahlreicheren und spezielleren Gebieten. Durch diesen natürlichen Entwicklungsgang wird die Philosophie nicht nur nicht vernichtet, sondern sie wächst durch ihn an Fülle und Reichhaltigkeit ihrer Wissensinhalte. Auch die in der Gegenwart sich vollziehende Verselbständigung der Psychologie unter dem Einfluß der erperimentellen
Forschnngsmethode wird der Philosophie keine Verarmung bringen. Denn die Trennung in experimentelle und philosophische Psychologie bedeutet ebensowenig einen Zerfall wie die Trennung der alten Physik in Naturwissenschaft und Naturphilosophie.
Worin liegt — zweitens — die innere Notwendigkeit, die alle Einzelwissenschafter zur Philosophie hinführt, wenn sie ihre einzelwissenschaftlichen Probleme folgerichtig bis zu Ende durchdenken? Sie liegt darin, daß alles einzelwissenschaftliche Denken gewissen formalen Bedingungen seiner Gültigkeit unterworfen ist und sachlich von gewissen Boraussetzungen ausgeht. Jene Bedingungen untersucht die Philosophische Disziplin der Logik, diese Voraussetzungen die Erkenntnistheorie. Die Logik fragt, welchen allgemeinen Gesetzmäßigkeiten denn die wirklichen Gegenstände unterliegen, wenn ich einmal von den besonderen Gesetzmäßigkeiten absehe, denen sie als Naturgegenstände oder als geistige Gegenstände unterworfen sind. Welches sind die allgemeinen Gesetze, denen die wirklichen Dinge gehorchen, noch über die naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Sondergesetze hinaus? So fragt die Logik. Und auch die Erkenntnistheorie hat es mit dem Wirklichen zu tun, sofern es ganz allgemein vom wissenschaftlichen Denken zum Gegenstand genommen wird. Alle Einzel- Wissenschaften machen — gleichviel um welches Forschungsgebiet es sich handelt — in gemeinsamer Weise gewisse Voraussetzungen. So setzten sie alle voraus, daß das Wirkliche aus einem Inbegriff von Dingen in Raum und Zeit bestehe, bei denen sich Borgänge abspielen, die durch einen durchgreifenden Kausalzusammenhang miteinander verknüpft sind. Die Erkenntnistheorie prüft die Berechtigung aller dieser Voraussetzungen nach. Logik und Erkenntnistheorie bilden somit die beiden Hauptwege, die für alle Einzelwissen- schaften in gemeinsamer Weise den Zugang zur Philosophie vermitteln. Daneben gibt es für jede besondere Einzelwissenschnft auch noch besondere Wege, die den unermüdlichen oinzelwissenschciftlichen Forscher in das Land der Philosophie führen.
Die Philosophie darf kühnlich jedem Einzelwissenschafter das Versprechen geben, daß sich