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Schon wieder ein Gegner der inneren Kolonisation!
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Schon wieder ein Gegner der innere» Kolonisation

hat, kann ebensogut nötigenfalls seine Schweine und Fettkälber dorthin an den Markt bringen, soweit sie nicht was die Regel bildet, vom Händler oder Schlächter vom Hof abgeholt werden; und auf demselben Wege kann er seine Bedarfsartikel, auch Kunstdünger, mit nach Hause nehmen. Für einen Großbetrieb ist es aber fast ausgeschlossen, auf größere Entfernungen mit Ankauf und Verkauf auf den Transport mit eigenen Gespannen angewiesen zu fein; bei den heutigen Lohn- und Preisverhältnissen bleibt wie man sagt der ganze Nutzen an den Rädern hängen. Man kann also sagen: ohne gute Ver­kehrsverhältnisse (Leitsatz Nr. 3) kann der Bauer noch eine, auch den heutigen Grundstückspreisen entsprechende Rente aus dem Grund und Boden hervor­bringen, der Großbetrieb dagegen nicht.

Einen sehr großen Wert, anscheinend den größten, legt der Verfasser auf deu Hackfruchtbau, den er als dasVorrecht" (Seite 310) des Großgrund­besitzes bezeichnet. Augenscheinlich hat er dabei nur die Rübenzucht im Auge, denn daß im Kartoffelbau der Bauer dem Rittergutsbesitzer nachstehe, hat er nicht zu behaupten vermocht. Gegen die Zweckmäßigkeit des Rübenbaues über­haupt lassen sich manche Einwendungen erheben. Ein Hinweis auf die steigende Konkurrenz des Auslandes, besonders Rußlands, darf hier nicht unterbleiben. Daß der Rübenbau den Boden schließlich rübenmüde macht, mag auch nicht unerwähnt bleiben. Vor allem aber fordert er zeitweise die allermeisten Arbeits­kräfte. Er vor allen steht und fällt mit dem Ausbleiben der fremdländischen Wanderarbeiter. Seine weitere Ausdehnung ist deshalb jetzt und auf absehbare Zeit ein zweifelhaftes Gut. Wenn die Bauern in vielen Landesteilen sich nur in geringem Maße daran beteiligen, so ist das volkswirtschaftlich und privat­wirtschaftlich nur zu billigen. Sie sorgen viel besser für die Gesamtheit der Volksgenossen, wenn sie statt der Rüben, Mais, Kartoffeln, Klee, Serradella, Mengefutter usw. bauen, und diese Erzeugnisse zum Füttern des Jung- und Schlachtviehes verwenden. Alle Erfahrungen zeigen aber, daß es eine bessere Ausnutzung des Bodens als durch Umsatz der landwirtschaftlichen Erzeugnifse in Fleisch nicht gibt.

Die Aufgabe, Aufzucht zu schaffen und Fleisch, besonders Schweinefleisch zu liefern*). Kälber und Federvieh zu züchten und zu mästen, fällt also dem Kleinbesitzer zu. Gerade für diese Leistungen gehört eine Sorgfalt der Arbeit, die der Großgrundbesitzer mit seinen fremden Arbeitern nun und nimmer leisten kann. Der Verfasser erkennt an, daß bei den landwirtschaftlichen Arbeiten (Seite 303) natürlich die Sorgfalt auch eine Rolle spiele; er erkennt auch an, daß es Produktionszweige gäbe, deren Gedeihen hauptsächlich von der Menge

*') Als in der letzten Sitzung des LandesökonomiekollegiumS von beachtenswerter Seite darauf hingewiesen wurde, daß sich die Großgrundbesitzer im Hinblick auf den Rückgang der Zahl der Schlachtschweine mehr mit Schweinezucht und -mast beschäftigen sollten, begegnete dieser Vorschlag einem ziemlich allgemeinen Kopfschütteln. Das Sachverständnis dieser Herren wird Wohl nicht zu bezweifeln sein.