Beitrag 
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Ziehen wir aus dem hier Vorgetragenen das Fazit, so stehen wir der Tatsache gegen­über, daß maßgebende Persönlichkeiten, darunter erfahrene Praktiker der inneren Kolonisation, für eine einheitliche Aufsicht und Leitung des gesamten Siedlungswerkes eintreten. Wer mit der inneren Kolonisation näher vertraut ist, wird ja keineswegs verkennen, daß jene ideale Forderung der Errichtung eines Zentral­amts für die innere Kolonisation eine Zweck­mäßigkeitsfrage einschließt, die vom praktischen Gesichtspunkt entscheidend bestimmt wird. Trotzdem wäre es nicht nur ungerecht, sondern auch kurzsichtig, die ganze Frage schlechthin und für immer als undiskutabel abzutun. Hätte man es in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht für eine Utopie bezeichnet, von einem dereinstigen selbständigen Reichskolonialamt 'mit einem Staatssekretär an der Spitze zu sprechen? Wer aber wollte behaupten, daß das gewaltige Werk der inneren Kolonisation und derOdlandbesiedlung weniger umfangreich und verantwortungsvoll in seiner Durchführung und weniger bedeutsam und einschneidend in seinen Wirkungen auf unser gesammtes Wirtschaftsleben sich darstellt als die äußere Kolonisaiion?

Den Kerngedanken, der sich aus den oben wiedergegebenen Zitaten sachverständiger Aus­lassungen im Parlament und Fachliteratur herauslöst, könnten wir in die klare Forde­rung fassen: die spezifische Ostmarkenpolitik muß einmünden in eine das gesamte Wirt­schaftsleben, insbesondere der Abwanderungs­provinzen umfassende innere Kolonisations­politik.

Es ist in diesem Jubiläumsjahre des

größten Kolonisators, den Preußen erlebt, unzählige Male in Wort und Schrift auf die vorbildliche Siedlungsarbeit Friedrichs des Großen hingewiesen worden. Das charakte­ristische der friderizianischon Kolonisations- Politik kommt darin zum Ausdruck, daß die damalige Ansiedlungstätigkeit als in sich ge­schlossener Verwaltungszweig betrachtet und behandelt wurde.

Wenn die Schaffung einer besonderen Zentralinstanz gegenwärtig als inopportun erscheint, so drängt dennoch der unbedingt berechtigte Kern der Forderung einer Ver­einheitlichung nach Verwirklichung: es ist un­erläßlich, daß das Werk der inneren Kolonisa­tion in allen seinen Ausstrahlungen von einem Geist erfüllt und von einem klaren Willen der Siaatsregierung gelenkt wird, der sich auf alle in Betracht kommenden Faktoren der verschiedenen Ressorts auswirkt.

Ein so hochgestecktes Ziel, wie es die innere Kolonisation vor sich steht, erheischl die Arbeit von Generationen und bedarf eines weitsichtigen Planes. Nur dann vermögen wir das Ziel, die rationelle Verteilung und Besiedelung des deutschen Volksbodens mit vollem Erfolge zu erreichen, wenn einmal die weitesten Kreise des Volkes von der national­wirtschaftlichen Bedeutung der Binnensiedlung durchdrungen sind und auf der anderen Seite die Behörden, nicht nur die unmittelbar mit der Durchführung der Besiedelung betrauten Generalkommissionen, sondern auch alle anderen Behörden, namentlich die der Staats- und Selbstverwaltung sich berufen fühlen, bei der inneren Kolonisation tatkräftig mitzuwirken.

O O

^^M^M> ^--^MM^««

Nachdruck sämtlicher Aufsiiüe nur mit ansdriicklichcr Erlaubnis des Verlags-stattet.

LcrmuwcrUich: der Herausgeber George Cleinow in Berlin-Schönebcrg. ManuslriPtsendungen und Bricje werde» l>eh»ss schneller Erledign»?, möglichst Dienstags und Mittwochs erbeten unter der Adresse: An den Herausgeber der Grenzboten in Berlin-Frieden««, Hcdwigftr. 1». Fernsprecher der Schristleitung: Amt Uhland LWO, des Verlags: Amt Lützow SStO. Verlag: Verlag der Grenzboten G. m. b. H. in Berlin 8V. ll. Druck:Der ReichSbole» G. m. b. H. in Berlin SV. U, Deisaucr Sttaj»« M/37.