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Fürstliche Gegner Bismarcks im Kampf um den Krieg 1866 an der Hand von teilweise unveröffentlichten politischen Korrespondenzen dargestellt
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Fürstliche Gegner Bismarcks

Europas gleichzeitig desavouiert werden würde; wir begreifen deshalb auch den Eifer derstillen Preußenfreunde" in Wien, vor allem den Mann wegvermitteln zu lassen, dessen Beseitigung von selbst vieles andere nach sich ziehen würde. Auch der Wolf war ja bereit, mit dem Hirten um den Preis des treuen Wächters zuvermitteln". Was man aber in Koburg wie in Wien nicht gründ­lich erwogen zu haben scheint, das ist die Frage: ob denn der Herzog von Koburg wohl die geeignete Persönlichkeit ist, um Preußen gegenüber mit Erfolg als Vermittler auftreten zu können; ob die Haltung der jetzt so sehr friedlichen und zur Vermittlung geneigten österreichischen Staatsmänner in der Tat von der Art war, um den diplomatischen Angelhaken als den Anker des Friedens erscheinen zu lassen.

Unsererseits wenigstens entsinnen wir uns kaum, denfürstlichen Vermittler" jemals anderswo als auf feiten der Gegner Preußens gefunden zu haben, sei es, daß er als Schützenkönig und Nationalvereins-Herzog Deutsche Kaiser- Generalprobe abgehalten, sei es, daß er als einfacher deutscher Patriot der preußischen Fortschrittspartei die Wege geebnet.

Was kann es also sein, was den Herzog von Koburg dessenungeachtet heute zu einem so warmen Freunde Preußens macht? und was hat sich in Wien begeben, daß man dort plötzlich nur noch den einen Streitpunkt und die eine Aufgabe kennt, den König von Preußen in seinem Kabinett besser bedient zu sehen?

Wäre es so gemeint, daß Preußen um den Preis des Grafen Bismarck alles das gewinnen könnte, was es gewinnen muß, wir meinen, es würde diesem selbst sein Leben nicht zu teuer sein.

Vielleicht aber ist es doch nicht so gemeint, und einige nähere Details werden wohl bessere Aufklärung geben."

Kreuzzeitung Nr. 79, 1866.

Ist der Herr Herzog von Koburg in der Tat der geeignete Mann, als deutscher Friedensstifter und alsVermittler" zwischen Preußen und Österreich aufzutreten? Dürfen die gegenwärtig leitenden Staatsmänner Österreichs mit Fug den Anspruch erheben, als selbstvergessene Schwärmer für die Größe und Ehre Preußens betrachtet und aufgenommen zu werden? Wir werfen diese Fragen nicht auf, um neue Zwistigkeiten durch die Erinnerung an alte zu steigern und zu schüren; wir dürfen sie aber nicht umgehen, weil leider nur zu Viele auch da, wo man es nicht glauben sollte vergessen zu haben scheinen, daß man sich in Wien auf die Psychologie versteht und daß man es natürlich vorzieht, wenn es sein kann, seine Zwecke nicht durch Krieg, sondern auf billigerem Wege zu erreichen. Krieg verlangt Geld,viel Geld", und bleibt doch immer ein bedenkliches, zweifelhaftes Spiel, wogegen eineVer­mittlung" wie die, mit welcher wir es hier zu tun haben, außer gewissen be­kannten baren Auslagen keine großen Unkosten verursacht, und außerdem den