Diplomaten - Erziehung
Line Erinnerung zu Bisniarcks Geburtstag
Der Arzt, Jurist und Diplomat Erlernt sein Fach von früh bis spat — Doch was er lern und schasse — Es weih es besser jeder L—aie. 17, Dezember 191L. A, Kiderlen
as Wort Diplomaten-Erziehung ist in Deutschland nicht beliebt: die Diplomaten hören es nicht gern, denn sie dünken sich Iwrs äe LonLours, und zwar um so mehr, je mehr ihre Kritiker sie des Mangels jeder Erziehung für ihren Beruf zeihen. Diplomatisches Talent ist entweder angeboren oder überhaupt nicht da —
anerzogen kann es nicht werden, höchstens entwickelt. Infolgedessen laufen auf der ganze» Erde ebeusoviele Diplomaten wie etwa Dichter und Künstler herum, die keine sind. Doch von unentdeckten oder nicht genügend gewürdigten Talenten soll hier nicht die Rede sein, sondern von der zünftigen Diplomatie und ihren Meistern, deren wichtigste Aufgabe eine ist: Entdeckung, Entfaltung, Nützung der vorhandenen Talente. Was es mit der Entdeckung und Förderung von Talenten auf sich hat, weiß jeder Redakteur, jeder Verleger, der einmal mit auch nur einem Fünkchen Idealismus an seinen Beruf herangegangen ist. Ein undankbares Geschäft, von dem man bald abläßt! Nicht viel anders steht es mit der Entdeckung diplomatischer Talente. Das einzige Kriterium bleibt schließlich auch hier der Gewinn, den der Mensch dem Menschen oder der Sache bringt — alles andere ist unfruchtbare Humanitütsdusclei oder Anmaßung, die den wirklichen Talenten am wenigsten nützt.
Über Auswahl und Ausbildung der Diplomatie wurde, wird und wird alle Zeiten hindurch und in allen Zonen geklagt werden. Und zwar aus zwei Grenzboten I 1913 38