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Zu Jean Pauls hundertundfünfzigstem Geburtstag
ZU Jean Pauls hundertundfünfzigstem Geburtstag
(25. März) von Dr. Karl Freye in Berlin-Friedenau
or zehn Jahren fragte mich ein praktisch gerichteter, aber durchaus gebildeter Mann: ob Jean Paul nicht ein französischer Schriftsteller sei? Gerade in den letzten Jahren ist der Dichter zweifellos wieder bekannter geworden; aber ich fürchte, ich fürchte: möglich wäre jene Frage auch heute noch. Wie ist das erklärbar? Wie kann ein Autor, dessen Ruhm einst dem seiner Zeitgenossen Schiller und Goethe gleichkam, so sehr verschollen sein, daß Schriftsteller geringeren Ranges — denken wir an Hauff oder Zschokke — seinen Ruhm im Volk um das Zehnsache übertreffen? Es ließe sich eine kurze Antwort darauf geben: weil der Schulunterricht meist nicht einmal seinen Namen erwähnt. Aber im Grunde ist das ja noch keine Antwort; sondern auch da fragen wir wieder: warum?
Nun, es gibt ja Modeerscheinungen; unverdienter Ruhm wird ja oft später durch gänzliche Vergessenheit bestraft. Und so könnten wir denn als Versuch der Begründung eine ganze Reihe von Vorwürfen ausgraben, die man gegen Jean Paul gerichtet hat: er soll ein Blender gewesen sein; seine Werke sollen zwar von schönen und geistvollen Stellen wimmeln, aber jedes einheitlichen Plans entbehren; er soll sich nicht haben in Zucht nehmen können; seine Bücher sollen dunkel und verworren sein, und die eigentliche Kraft, > die einem Dichter dauernde Wirkung verschafft, soll ihm fehlen, die Kraft der Gestaltung. Was er in seiner willkürlichen Art angriff, das sollen uns andere reiner und besser gegeben haben, und es soll deshalb nutzlos sein, ihn wieder ausgraben zu wollen. In der Tat, diese Vorwürfe sind viel weiter verbreitet als die Kenntnis Jean Paulscher Schriften; sicher gibt es mehr Deutsche, die zu wissen glauben, daß man Jean Paul nicht lesen könne, als solche, die ihn gelesen haben. Ist diese Meinung berechtigt? Oder — falls sie es nicht sein sollte — wie konnten diese Gerüchte aufkommen und sich festsetzen?
Falls Jean Paul eine Modeerscheinung war — wodurch hat er denn seinen Zeitgenossen gefallen? Es wird darauf in der Regel geantwortet: durch seine Sentimentalität und durch die „schönen Stellen" seiner Werke. Nun, daran ist sicher Wahres. Gerade die sentimentalen Schriften haben Erfolg gehabt; den meisten Ruhm unter allen Büchern Jean Pauls hat der forciert sentimentale „Hesperus" errungen, über dessen Wert sich immerhin streiten läßt. Ja, es gibt sogar kleinere Arbeiten Jean Pauls, die nichts als ungesunde Künstelei sind, während sie doch zu ihrer Zeit ihr Publikum fanden. Und wirklich hat man gerade aus Jean Pauls Werken mit Vorliebe die schönen Stellen ausgezogen, man hat sie in bändereichen und vielgelesenen Sammlungen gesondert herausgegeben, und bis auf den heutigen Tag ist diese Art von Jean-