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Aolonialer Fortschritt im Jahre M2
von Rudolf lvagner in Berlin
! as Jahr 1912 ist für die Kolonien ein gesegnetes gewesen, nicht so sehr wegen der im letzten Berichtsjahre 1911/12 erzielten rein materiellen Fortschritte, wie sie in dem soeben erschienenen amtlichen Jahresbericht*) zum Ausdruck kommen, sondern wegen der in ihm gewonnenen wertvollen Erkenntnisse auf kolonialpolitischem und kolonialwirtschaftlichem Gebiete. Das heißt, manche von diesen Erkenntnissen sind nicht neu, aber man hatte sich ihnen an maßgebender Stelle geflissentlich verschlossen. Und dieses Nichtsehenwollen gewisser Entwicklungsnotwendigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten, das die letzte Zeit der Dernburgschen Wirksamkeit kennzeichnete, drohte die großen Erfolge gerade der Ära Dernburg teilweise ins Gegenteil zu verkehren. Dernburgs rein kapitalistische Anschauungsweise in wirtschaftlichen Dingen, Fiskalismus und Zentralisationsdrang auf politischem Gebiete, mußten auf die Dauer hemmend auf die freie Entwicklung derselben Kolonien einwirken, die ihm die Grundlagen für diese Entwicklung verdankten, die Schaffung eines großzügigen Verkehrsnetzes. Er hat es geradezu persönlich übel genommen, als z. B. unsere Landslente in Südwestafrika Selb- ständigkeitsbestrebungen erkennen ließen und mehr als einmal die Vorkämpfer der Selbstverwaltung mit bitteren und unfreundlichen Worten bedacht. Es war ihm unbegreiflich, wie die Organisationen der Einzelpflanzer und Farmer ebensogut das Interesse und die Fürsorge der Kolonialverwaltung für sich in Anspruch nehmen konnten, wie großkapitalistische Unternehmungen. Mit unverhohlener Ungeduld und Geringschätzung hat er die Ansprüche dieser „kleinen Leute" behandelt und ihnen wiederholt ein kühles „hilf dir selbst", auf den Weg
») Jahresbericht über: „Die Entwicklung der deutschen Schutzgebiete 1911/12." Berlin, E. S. Mittler u. Sohn.
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