284
Politik und Wirtschaft
in ihrem Suchen nach Begabungen ist ihm günstig — denn selbst Kleist hat nie eines seiner Stücke aufführen sehen, und Eulenberg hatte bei fast allen Werken dazu Gelegenheit.
Damit soll freilich gewiß nicht gesagt werden, daß das breite Publikum ihn hegt und pflegt. Dem sind seine Werke zu sehr voll „unwahrscheinlicher" Elemente, man will im allgemeinen nicht poetisch-phantastisch erfaßte Gegenwart, sondern glaubhafte, verbürgte. Darum ist es immer noch an der Zeit, laut auszusprechen, was wir an Eulenberg in seinen guten Werken haben: in einer Zeit psychologischen Zerlegens und artistischer Überkunst einen ursprünglichen Dichter.
Das möge er uns bleiben!
Politik und Wirtschaft
ie Balkanwirren, die heute, nach der Kündigung des Waffenstillstandes einer endgültigen Lösung so fern zu sein scheinen wie nur je, beunruhigen das wirtschaftliche und politische Leben Europas nach wie vor in starkem Maße. Das vorläufige Scheitern der Friedensoerhandlungen war eine schwere Enttäuschung, die zunächst in einein neuen Sturz der Börsenkurse zum Ausdrucke kam, darüber hinaus aber für das gesamte Wirtschaftsleben von bedenklichster Wirkung ist.
Das Schwanken der Effektenkurse hat gegenwärtig keine große Bedeutung, denn die Börse ist geschäftslos und ihre Bewegungen spielen sich in einem engen Rahmen ab. Dagegen ist die Rückwirkung der politischen Unsicherheit auf den Geldmarkt um so verhängnisvoller. Denn nur der letzteren ist es zuzuschreiben, wenn die Anspannung, welche der Jahreswechsel mit sich brachte, nur so zögernd und langsam weicht, wie nie zuvor. Selbst im Januar 1908, nach der scharfen Geldkrisis des vorangegangenen Jahres, war die Reichsbank imstande wieder eine steuerfreie Notenreserve anzusammeln. In diesem Jahre ist es ihr nicht gelungen den steuerpflichtigen Umlauf im ersten Monat zu beseitigen und sie geht daher mit dem Zinsfuß von sechs Prozent in den Februar, der sonst die geldflüssigste Periode des Jahres einleitet. Unter diesen Umständen sieht es übel für alle diejenigen aus, welche zur Befriedigung ihrer Emissionswünsche eine Erleichterung des Geldmarktes herbeisehnten. Bei einem Reichsbankdiskont von dieser Höhe ist an einen erfolgreichen Appell an den Geldmarkt nicht zu denken. Selbst die dringlichsten Bedürfnisse der Staaten und Gemeinden