T>er neue Träger des Volks-Hchillerpreises
von Dr. Karl Freye in Berlin-Frieden«»
ulenberg ist alles Gute zu wünschen, auch der Volks-Schillerpreis. Aber für sein Liebesstück „Belinde" hat er ihn nicht verdient.
Denn „Belinde" ist gar kein Drama. Es ist ein Plan, eine Skizze, die den Leser (gesehen habe ich das Stück noch nicht) durchaus nicht befriedigt, wenn auch ihre Hauptentwicklung energische Richtung hat. Hier ist Gerippe, aber kein Fleisch. Und leider ist noch ein zweiter großer Mangel da: Eulenbergs Manier ist hier in unerträglicher Art versteinert und hervorgetrieben. Seine Neigung. Komik und Tragik zu mischen, ist ganz willkürlich betont, bis zum Läppischen. Und es ist zu befürchten, daß Eulenberg der plötzliche Erfolg dieses Stückes im doppelten Sinne schadet: einmal in der Meinung des Publikums, das ihn gerade nach dieseni Werk beurteilen wird, dann in seiner eigenen Überzeugung von seinem Können.
Eulenberg selbst wird nichts davon zugeben wollen. Aber man soll es ihm um so mehr sagen, daß er irrt oder zu irren droht. Er schreibt neuerdings seine Dramen so rasch, daß man staunend in einem gereimten Bekenntnis von der übermäßig peinigenden Selbstkritik las, die er an seinem Schaffen übe. Und er hat sich theoretisch verrannt. Er will durchaus auf eine Mischgattung der Tragikomödie hinaus, die ihn in dieser einseitigen Bevorzugung nicht mehr zur vollen Entfaltung seiner poetischen Fähigkeiten kommen läßt.
Gerade die neueren Werke Eulenbergs sind von Mitschaffenden höchlich gelobt. Dehmel in seiner Arbeit „Tragik und Drama", die er seiner Tragikomödie „Der Mitmensch" vorangestellt hat, rühmt den „Natürlichen Vater", und Frank Wedekind spricht bei dem gleichen Stück (das er sehr unsinnig mit Niebergalls Lokalposse zusammenstellt) von einer „herrlichen Schöpfung", von „vollendeter Form". Mit dem Lob dieses Stückes haben nun beide ohne Zweifel recht, und rühmen muß man auch Eulenbergs echteste „Tragikomödie" „Alles um Geld". Trotzdem aber sollte man den Dichter unablässig warnen, in die Sphäre dieser beiden besonders stehenden Stücke sich zu bannen und sich immer mehr Wedekinds Grotesken zu nähern. Gerade darin wird Eulenberg von Freunden bestärkt; da heißt es in Peter Hamechers Büchlein über Eulen-