Beitrag 
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Seite
244
Einzelbild herunterladen
 

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Biographien und Briefwechsel.

Kidcrlcn-Waechters schriftlicher Nachlaß.

Die Sonne brachte es an den Tag, daß der ver­storbene Staatssekretär von Kiderlen-Waechter einen Berg schriftlichen Materials hinterlassen habe, der in meinen Besitz gelangt ist, und zwar nicht etwa durch Kauf, sondern durch Schenkung. Ein Teil der Tagespresse stellt sich darob sehr entrüstet, und ein alldeutsches Blatt ruft sogar die Staatsgewalt gegen mich, den glücklichen Besitzer, unter die Waffen, freilich nachdem es den Autor von inhalts­losen, aber sensationell herausgeputzten Ver­öffentlichungen in Nord und Süd ein Pseu­donym nennt und durchblicken läßt, ich könne dahinter stecken.

Meine verehrten Leser wissen, daß ich dem verstorbenen Staatsmannenahe gestanden habe, und daß ich mit ihm durch dick und dünn ge­gangen bin, eingedenk Goethes Spruch, der auch an der Spitze meines Nachrufes steht:

Willst du dir aber das Beste tun, So bleib nicht auf dir selber ruhn, Sondern folg eines Meisters Sinn; Mit ihm zu irren, ist dir Gewinn."

Es hieße das Andenken eines großen Menschen, wie Kiderlen es allen Begeiferungen zum Trotz war, nur entweihen, wollte ich das mir geschenkte Vertrauen durch Veröffentlichung von Sensatiönchen und Histörchen mißbrauchen. Was ich über Kiderlen veröffentliche, wird meinen vollen Namen tragen und sich nicht hinter ein Pseudonym verstecken, da es mir nur Ehre bringen kann, diesem Großen Schild­träger zu seim Daß aber Kiderlen wirklich ein Großer war, auf den sein Volk stolz sein darf, das wird man einst aus seinen geist­reichen, tiefes Wissen und Denken verratenden Briefen ersehen, ebenso an der vorurteilsfreien Art, wie er Menschen und Dinge beurteilte.

Die bevorstehenden Veröffentlichungen braucht niemand zu fürchten: soweit ich sehen kann, hat Kiderlen seinen großen Gegnern, wenn er sie auch bei Lebzeiten scharf bekämpfte und zwar mit oft unnötiger Offenheit, stets volle Gerechtigkeit widerfahren lassen und ihre starken Seiten kräftig hervorgehoben um die kleinen, die sich jetzt aufspielen, kümmert er sich auch in seinen Briefen herz­lich wenig; gewisse Gernegroße, die Kiderlen bei Lebzeiten mit der Lauge seines Spottes überschüttete, brauchen somit vor seinen Briefen nicht zuzittern", sie werden nicht genannt und brauchen darum auch nicht den Schutz der Staatsgewalt anzurufen.

G. Cleinow

Genealogie

Zu den Persönlichkeiten in großer und hervorragender Stellung, von denen man gelegentlich zu Unrecht behaupten hört, sie seien jüdischer Herkunft, gehört auch der Ge­neral der Infanterie und kommandierende General des Gardekorps, Generaladjutant Seiner Majestät des Kaisers und Königs, a la suite des 3. Garderegiments zu Fuß: Alfred von Loewenfeld. Es muß hier zum Lobe desSemigotha" festgestellt werden, daß er sich von dieser falschen Zuschreibung freigehalten hat. Dagegen finde ich sie in der ZeitschriftHammer" (Nr. 250 vom 15. November 1912), die sich dafür auf eine jüdische Quelle beruft. DerHammer" bringt nämlich unter der Überschrift:Die fremde Rasse im Deutschen Offizier-Korps" (a. a. O- S. 611 f.) in 42 Nummern ein Verzeichnis von aktiven und Reserve-Offizieren des Deut­schen Heeres, die jüdischer Herkunft sein sollen. Als Einleitung heißt es:Die Lorbeeren einiger Blätter, die das Eindringen des Juden­tums in der englischen, französischen und öfter-