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Pädagogischer Sturm und Drang
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pädagogischer Sturm und Drang

Von Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Paul Lauer in Münster

ie Emanzipation der Kinder. Eine Rede an die Schuljugend: so lautet der Titel einer im Jahre 1911 erschienenen kleinen Schrift von Lily Braun. Wenn darin die Unerwachsenen aufgefordert werden, sich zusammenzutim, die Standesvorurteile ihrer Eltern zu ver­werfen und das Recht einer Berufswahl nach eigener Begabung zu verlangen, so ist kaum anzunehmen, daß ein solcher Aufruf unmittelbar er­hebliche Folgen haben werde. Als Symptom unserer Zustände ist das Heftchen doch nicht ohne Bedeutung. Was seine Überschrift sagt, ist heute das Feld­geschrei einer allgemeineren, immer weiter um sich greifenden, immer mächtiger anschwellenden Bewegung. Die von Arthur Schulz (in Birkenwerder bei Berlin) geleiteteGesellschaft für deutsche Erziehung", die zum letzten Male in Weimar im September 1912 getagt hat, ist seit etwa einem Jahrzehnt in diesem Sinne tätig. Neuerdings sind ihr zur Seite getreten: der Goethebuud mit einer Ver­sammlung in Berlin im Dezember 1911, auf der acht Vorträge überdie Schule der Zukunft" gehalten wurden, und derDeutsche Bund für weltliche Schule und Moralunterricht", der ebenfalls in Berlin im Herbst 1912 eine Konferenz über sittliche Willensbildung in der Schule" veranstaltet hat/') Was sollen wir von diesen und ähnlichen Kundgebungen halten?

Jedenfalls wollen wir nicht dem Beispiele des Gutsbesitzers bei Fritz Reuter folgen, der einen Prozeß durchaus nicht haben wollte und, nachdem er alle Zuschriften des Gegners wie des Gerichtes immer nur mit dieser Erklärung be­antwortet hatte, endlich zu seinem größten Unwillen erfuhr, daß er den Prozeß

*) Von derGesellschaft für deutsche Erziehung" liegt über die vorletzte Tagung (Juni 1911) ein besonderer Bericht vor, der im Verlage der Blätter für deutsche Erziehung erschienen ist; von der letzten Tagung sind in eben diesen Blättern einzelne Reden abgedruckt. Da mir die betreffenden Hefte (1912, Nr, 10 und 11> erst während der Korrektur zugingen, so konnte auf den Inhalt nicht mehr bezug genommen werden. Leider ist in beiden Fällen die Debatte nicht mitgeteilt. Dasselbe gilt v«n den beiden anderen Berichten:Die Schule der Zukunft. Borträge von Ludwig Fulda, Gerhard Helmers, Wilhelm Ostwald, Wilhelm Bölsche, Joseph Petzold, Gustav Wyneken, Johannes Tews, Alfred Klaar" (Buchverlag der Hilfe, Berlin-Schöneberg 1912), undDie Harmonie zwischen Religions- und Moralunterricht. Borträge auf der Konferenz usw." (Verlag für ethische Kultur, Berlin 1912).