Politik und Wirtschaft
in ereignisreiches und wechselvolles Jahr hat von uns Abschied genommen. Ein Jahr voller Unruhe und schwerer Schickungen, erfüllt von Krieg und zerstörender Umwälzung, ein Jahr, sür uns ebenso reich an glänzenden wirtschaftlichen Erfolgen wie au Einbußen und Verlusten; ein Jahr, das uns wenig heitere, aber viele schwere und sorgenumdüsterte Stunden beschert und uns kurz vor seinem Scheiden noch des Steuermannes beraubt hat, dessen feste Hand, so hofften wir, uuser Staatsschiff unversehrt durch alle Fährlichkeiten und Klippen lenken sollte. So überschreiten wir die Schwelle des neuen Jahres zwar nicht kleinmütig und verzagt, aber doch in ernster Stimmung, dessen bewußt, daß uns Gefahren umdrohen, und daß wir alle, die Nation im ganzen, wie jeder einzelne für sich, bereit sein müssen, das Höchste zu leisten, wenn die Stunde ruft.
Länger denn vierzig Jahre hat das Deutsche Reich der Welt Beweise über Beweise seiner unerschütterlichen Friedensliebe gegeben. Glänzend ist in Erfüllung gegangen, was Kaiser Wilhelm der Alte in der Geburtsstunde des neuen Reichs für sich und seine Nachfolger an der Kaiserkrone gelobte: „allzeit Mehrer des Reichs sein zu wollen, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung." Mächtig ist seit jenem Tag das Deutsche Reich erstarkt. Es hat im Laufe eines Menschenalters einen wirtschaftlichen und politischen Aufschwung genommen, der in der Weltgeschichte ohne Beispiel dasteht. Eine Bevölkerungszunahme von sechzig Prozent, eine Vermehrung des Reichtums und Wohlstandes in so rapidem Wachstum, daß der Unterschied gegen die reichen Nachbarvölker ausgeglichen ist und der jährliche Zuwachs am Nationalvermögen nicht weniger als vier Milliarden Mark beträgt. Dementsprechend eine gesteigerte Lebensführung in allen Klassen, eine Vermehrung der Steuer- und Wehrkraft, mit der andere Nationen nicht Schritt zu halten vermögen. Das sind Erfolge, die eine Nation wohl stolz machen könnten, zumal sie errungen sind lediglich Gnmzboten I 1913 8