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Alfred von Kiderlen-Waechter
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Alfred von Aiderlen-lVaechter

Willst Du Dir ober dns Beste tun, So bleib nicht auf Dir selber ruhn, Sondern folg eines Meisters Sinn; Mit ihm zu irren, ist Dir Gewinn.

Goethe, Sprüche

s war einige Zeit nach der Zusammenkunft Ssasonows mit den Leitern der deutschen auswärtigen Politik in Potsdam. Einen Nachmittag verbrachte ich in der Villa des Staatssekretärs des Auswärtigen Anits. die mitten in einem alten Park gelegen, den Lärm des Tages nicht zu kennen scheint. Ein weit ausgesponnenes Gespräch mit dem technischen Leiter der deutschen auswärtigen Politik hatte sich meist um russische, polnische und österreichische Fragen gedreht. In seinen? Verlauf kam ich zu der Bemerkung, es sei schade, daß seit dem Fortgange des Fürsten Bülow in Deutschland so gar kein allgemeiner Zusammenhang zwischen Negierung und Presse vorhanden sei, und daß sowohl der Herr Reichskanzler, wie er, der Staatssekretär, sich die politische Arbeit dadurch ganz außerordentlich erschwerten; der Verkehr mit einigen wenigen Journalisten, wie ihn der Herr Staatssekretär pflege, genüge nicht, so angenehm solches seitens des davon betroffenen emp­funden werde, weil es unabhängigen Politikern nicht immer möglich sein wird in allen und jeden Fragen mit der Regierung zusammen zu gehen. Kiderlen erwiderte darauf in seiner kurzen Art:Aber es bleibt doch alles Wurscht, was die Leute schreiben."

Seit jenem Herbsttage wurde das Thema zwischen uns noch oft berührt nnd ich glaube, daß Herr von Kiderlen seine Ausfassung schließlich unter dem Druck der Tatsachen doch revidiert hatte; jedenfalls deuteten Bemerkungen über die Reorganisation des Pressedienstes, wie er sich ihn gedacht hat, darauf hin. Aber ganz frei ist er von der Überzeugung nicht geworden, daß die Presse ebenso wie die öffentliche Meinung ein unnützer Ballast sei, die der Staatsmann

Grenzboten I 1913 4