philosophische Neuerscheinungen
von Dr. Paul Feldkeller
achdem der jahrzehntelang zum wiederholten Male unternommene Versuch, die Welt einschließlich der geistigen Geschehnisse naturwissenschaftlich zu erklären, gescheitert ist, erfreut sich die entgegengesetzte Methode, die Welt nach Art der historischen Betrachtungsweise „von innen her" zu „verstehen", einer nie dagewesenen Wertschätzung. Dem physikalischen Positivismus ist ein psychologischer und historischer gefolgt. Du Bois-Reymond, für den auch die geschichtliche Wirklichkeit letzten Endes doch nur durch ein unermeßliches System simultaner Differentialgleichungen zu begreifen ist, hat Diltheys Methode des Verstehens und Bergsons Jntuitionismus Platz machen müssen. Fechners Lehre vom „Jnnensein" der Dinge, Wundts Bekenntnis zu einer kosmischen Zielstrebigkeit finden bei einer romantisch gestimmten, das Erleben, Nacherleben, Einfühlen, Verstehen betonenden Gegenwart Anklang und Entgegenkommen. So scheint der uralte, seit den Tagen Demokrits nicht wieder zur Ruhe gekommene Kampf um die mechanistische und die teleologische Weltbetrachtung sich wieder zugunsten der Zweckmäßigkeis' lehre zu neigen. Dem engherzigen, alles Geistesleben zu ersticken drohenden Mechanismus gegenüber das eigengesetzliche, sich von innen her gestaltende Leben des beseelten Organismus hervorzuheben, anderseits den Rückfall in den überwundenen Aristotelismus und Thomismus zu verhüten: das ist die Mission von Rudolf Eislers Buch „Der Zweck, Seine Bedeutung für Natur und Geist" (Berlin, Mittler u. Sohn 1914). Den Verfasser hat das löbliche Bestreben geleitet, die zu neuer Wertschätzung gelangte teleologische Methode nach ihrer logischen Bedeutung und der Fülle ihrer Anwendungen auf allen Gebieten so zu behandeln, daß der Fachmann wie der gebildete Laie über den Zweckbegriff und seine Brauchbarkeit zur Klarheit kommen können.
Der für den kritischen Philosophen charakteristische Zweifrontenkampf zeichnet auch dieses Buch aus: gegen die mechanistische Weltanschauung wie gegen die dualistische Zweckmäßigkeitslehre, lautet die Losung. Die geschlossene Kausalkette duldet keine „Zweckursachen". Anderseits läuft dem lückenlosen Naturgeschehen die Welt psychischer Willensregungen und schöpferischer Zwecksetzungen parallel. So find nach Eisler Kausalität und Teleologie, richtig verstanden, durchaus miteinander vereinbar. Die Bedeutung der Zielstrebigkeit wird in einem be°