Der Kaiserin Josephine Aufstieg
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Paares nach Notre-Dame leitete die Feier ein, deren Pracht an die Märchen des Orients erinnerte. Die Sonnenstrahlen, durch die prachtvollen Glasmalereien an den Fenstern der alten Kirche fallend, umstrahlten die mächtigen Pfeiler und Säulen mit buntflimmernden Lichtern und ließen die weiten Hallen wie mit lieblichen Teppichbeeten geschmückt erscheinen; aber lieblicher noch grüßten von den Tribünen herab, lebendigen blühenden Blnmen gleich, die in den Wwtertag den Lenz hineinzutragen sich bemühten, die Damen der Hofgesellschaft, fast alle jung und schön, in ihrem glitzernden Geschmeide: von blendenden Frauennacken sprühten strahlende Brillanten ihre Blitze, in Seide und Spitzen funkelten Juwelen, goldene Reifen gleißten von Alabasterarmen, und aus Goldhaar und Rabenflechten quoll das Leuchten farbiger Edelsteine hervor. Die Kaiserin trug eine herrliche weiße mit reicher Goldstickerei und Diamanten gezierte Atlasrobe und darüber einen mit goldenen Bienen besetzten, hermelinverbrämten Mantel von schwerem Purpursamt,- ihr Haupt aber schmückte ein Diadem aus Edelsteinen und Perlen im Werte von mehr als einer halben Million Franken. Zunächst verlief alles der festgesetzten Ordnung gemäß: nach dem Kaiser salbte Pins auch Josephine; als er aber die Krone ergreifen wollte, um Napoleon mit diesem Sinnbilde fürstlicher Souveränität zu zieren, wurde ihm ein leichter ablehnender Wink gegeben; der Herrscher setzte sie sich — unter rücksichtsloser Mißachtung des päpstlichen Entgegenkommens — selbst aufs Haupt. Dann ließ er seine mit gefalteten Händen, auf die ihre Tränen niedertropften, vor ihm knieende Gemahlin derselben Ehre teilhaftig werden; auch sie schmückte er mit einer im Glänze von Brillanten und Smaragden schimmernden Krone. Und niemals sah Josephine vorteilhafter aus als an diesem festlichen Tage; das Glück bewährte seine alte Zauberkraft auch an ihr; es verjüngte und verschönte die Züge, aus denen der Lenz des Lebens längst entschwunden war, und wob etwas Mädchenhaftes um die ganze Erscheinung. Dazu war sie die Majestät selost; der Anmut, ihrem natürlichen Erbteile, gesellte sich nun die Würde, die sie früher so oft hatte vermissen lassen. Und wem ein Blick gegeben war für die zärtliche Sorgfalt, mit der Napoleon seiner Lebensgefährtin die Krone aufs Haupt drückte, ihr dabei liebevoll das Haar ordnend, und wer das mildfreundliche Lächeln Josephinens sah, das ihm dafür dankte, der war vollauf berechtigt, die Zukunft der Beiden im rosigsten Lichte zu sehen und eitel Glück und Frieden von ihr zu erwarten. Herrliche Musik, von einem brillanten Orchester künstlerisch vorgetragen, in geschmackvollen: Wechsel mit dem Hörner- und Trompetengeschmetter wie den Trommelwirbeln der in die Kirche befohlenen Regimentskapellen und den mächtigen Akkorden der Orgel beschloß die feier- liehe Handlung; draußen aber mischten sich die weithin hallenden Klänge der Glocken in die dröhnenden Salven der hinter dem Gotteshause aufgestellten Artillerie. Und dann brach die versammelte Menge aus in den oft wiederholten Ruf: „Vivs l.'lZmpersurI Vive I^'ImpömtnLel". der, nie gehört in