Beitrag 
Binnenmeerpolitik in den Ozeanen
Seite
161
Einzelbild herunterladen
 

Vinnenmeerpolitik in den Gzeanen

von Dr. Rarl lNehrmann

ie Freiheit der Meere ist ein Programmpunkt der deutschen Politik geworden; Kaiser und Kanzler haben sie als ein erstrebenswertes und erreichbares Ziel dieses Krieges hingestellt. Es gab bisher nur eine Macht, die sie bedrohte. England gefährdete sie durch den rücksichtslosen Eigennutz, mit dem es seinen Anspruch auf Vor-, wenn nicht auf Alleinherrschaft durchzusetzen suchte. England hat in diesem Kriege bewiesen, daß es keine Fessel des Völkerrechtes anerkennt; es beugt sich nur der Macht der Tatsachen. Soll daher in Zukunft wirklich die Freiheit der Meere hergestellt werden, so muß ein solcher Tatsachenbestand geschaffen werden, daß die britische Willkür nicht mehr das Recht der anderen aus freie Seefahrt anzutasten wagt.

Während Großbritannien auf dem Festlande die Politik des Gleichgewichts als Mittel für die Friedenserhaltung hinstellte, hat es sich mit Händen und Füßen gegen den Gedanken einer Gleichgewichtspolitik auf den Weltmeeren gesträubt. Indem es ihm gelang, auf den Ozeanen seine militärische Über­legenheit nicht bloß zu behaupten, sondern auch den anderen Staaten glaubhaft M machen, schuf es für sich die Grundlage einer Vorzugsstellung, von der aus es das angebliche Kräftegleichgewicht auf dem Festlande zur Phrase und sich Zum Herren der Geschicke Europas machen konnte. Soll es eine wirkliche Gleichgewichtspolitik auf dem europäischen Festlande geben, so ist das nur unter zwei Voraussetzungen möglich: England wird als Insel- und wegen seines Kolonialbesitzes überwiegend exotischer Staat von der Staatengesellschaft des Festlandes ausgeschieden, und es wird neben dem Gleichgewicht auf dem Fest­land auch ein solches an und aus der See herausgebildet. Der erste Weg führt nur halb zum Ziel, da er die Seefahrt in britischen Fesseln läßt. In der zweiten Richtung wirkt einmal die Erhöhung der Flottenstärke der nicht im Grenzboten IV 1916 11