Sonnenaufgang
Mit tausend Armen hing ich an der Welt
Des Augenblicks. —
Daß Tag und Stunde fällt.
Und daß mit Sturz und Blitz und Donnerschlägen
Das ganze Dasein dieses ird'schen Glücks
Mit wildem Krachen aufschlägt und zerschellt,
Das glaubt' ich nicht, da war ich zu verwegen.
Ich wußte nur, . . . damals, ich wußte nur,
Daß um die Höhe eine Sonne stand,
Die goldne Sonne der Glückseligkeit,
Und oben mußten Matten weit und breit
Im tiefen Grün den Tau des Morgens trinken.
Und oben würden Hirtenknaben winken,
Und würden leise auf der Flöte blasen,
Und oben würden bunte Kühe grasen.
So suchte ich dem Steine meine Spur
Zu geben.
Umsonst,
Das war nicht Leben!
Was sich mir da bot.
War nur vom Schein der Sinne überloht,
War nur vom Schein des Augenblicks geblendet,
Und wo ich liebte, war ich schon verschwendet,
Auch auf der Höhe hielt ich nicht die Welt.
Ich sah auch hier, wie Tag in Nacht zerfällt.
Und sah mich wieder hängen an der Erde,
Und fühlte wieder, bleiern werde
Das Ungeheure mich im Fall zerschmettern,
Und — unter den Wettern
Hört' ich wie meine Knochen brachen,
Und um mich war ein Meer von tausend Lachen
Blut, Blut.
Und eine Stimme rief, schwer, milde, gut: „Steh auf, sei mein, und du wirst wieder dein Ganzes Wesen in den Händen tragen,