Das jungtürkische Programm
von N. Honig
n Erkenntnis des bisher ungesehenen Aufschwungs der Handelsbeziehungen, welche nach dem Friedensschluß zwischen Deutschland und der Türkei voraussichtlich einsetzen wird, haben die Jungtürken begonnen, ein Programm zur systematischen Ausgestaltung der wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder auszuarbeiten. In allen türkischen Zeitungen wird die Frage der Anbahnung eines lebhaften Handels und Kulturaustausches zwischen den beiden Verbündeten lebhaft erörtert. Den deutschen Lesern wurde in den letzten Tagen zur Kenntnis gebracht, daß die Jungtürken unter Leitung des bekannten Präsidenten des Jungtürkenkomitees, Midhat Schukri Bey. die Ausarbeitung des Programms bereits in Angriff genommen haben. Letzterer hat alsdann dem deutschen Publikum in Aussicht gestellt, die Einzelheiten dieses Programms nach Fertigstellung bekanntzugeben, um hierdurch auch in Deutschland eine Besprechung anzuregen.
Ohne vorzugreifen, möchten wir uns erlauben, hier einige Leitpunkte für den zukünftigen Ausbau der deutschen Kapital- und Kulturinteressen in der Türkei zu geben, unter dem Gesichtspunkt, daß die in Gemäßheit dieser zu treffenden Maßnahmen einerseits den deutschen Interessen am besten entsprechen, anderseits von der türkischen Volkswirtschaft am dringendsten benötigt werden.
In Anbetracht dessen, daß die Hebung des kulturellen Niveaus der Bevölkerung der Förderung der übrigen wirtschaftlichen Interessen vorangehen muß, ist die Verfolgung einer intensiven Schulpolitik seitens Deutschlands in erster Linie zu nennen. Das türkische Schulwesen liegt nicht nur arg darnieder, es hat neuerdings eine Beeinträchtigung dadurch erfahren, daß in letzter Zeit viele englische, französische und italienische Schulen ihres feindlichen Grenzboten IV 1915 7