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Humanitätsgedankte und Volkstum
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Humanitätsgedanke und Volkstum

KW WW

von Dr. Paul Feldkeller

ein größerer Irrtum in der Pädagogik als die Überschätzung des harmonischen Seelenlebens! Man müßte den Geist, diesen Gär­stoff des Lebens, ausschalten, um diesIdeal" sicherzustellen. Denn da die einzelnen Provinzen des Geisteslebens beim regen, niemals erstarrenden Menschen sich zu keiner Zeit gleichmäßig und im exakten Zusammenhang miteinander entwickeln, so gehört eine gewisse Un- ausgeglichenhett in jedem Entwicklungsstadium gerade zum Kennzeichen des reifen Menschen. Je tiefer, reicher und umfassender ein Leben ist, um so stärkere und reichhaltigere Gegensätze hat es in sich zu entwickeln und auszufechten. Auch hinsichtlich Goethes wird man ja jetzt den starken Gegensätzen in seinem Charakter gerecht.

Aber auch für jeden eine gewisse geistige Höhe behauptenden Menschen sind bestimmte einmal zu überwindende Gegensätze typisch. Der Unruhstifter ist der Geist. So bekommt ein solcher Mensch die Enge des ihm liebgewordenen Naturbandes von Elternhaus und Familie mit ihren andersartigen Anschauungen zu fühlen, bis der Geist eine Sprengung der alten Form und den Aufbau einer neuen durchsetzt, wo andere zeitlebens ihre Eierschalen nicht abzustreifen ver­mögen. So überwindet das höherstehende, reife Weib seine selbstgenngsame geschlechtliche Sonderart, um in der Teilnahme an der objektiven Geisteskultur das Ideal der Menschlichkeit zu erreichen. Es ist dieser Gegensatz, auf den gerade die weibliche Natur angelegt ist, für den Konflikt zwischen der Humani­tätsidee und irgendwelcher ihr entgegenstehenden Eigenart so instruktiv und auch mehrfach behandelt worden. In feinsinniger psychologischer Analyse würdigt Georg Simmel die Frau als Wesen sui MnenZ. also in ihrer geschlechilichen Grenzboten IV 1916 3