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Frankreichs innere Lage
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Frankreichs innere Lage

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von Professor Dr. Max I. Wolfs

enn man nach den Äußerungen der französischen Presse urteilen wollte, so müßte ganz Frankreich ein Bild einmütigster Kriegs- ! begeisterung bieten. Die Blätter von der äußersten Rechten bis zu denen der wildesten Sozialisten überbieten sich in Beschimpfungen Deutschlands, Beteuerungen ihres opferwilligen Patriotismus, Bewunderung der heldenmütigen Armee und der nicht minder heldenmütigen Bundesgenossen, sowie in Erklärungen, daß der Krieg nur mit der völligen Vernichtung Deutschlands enden dürfe. Dazwischen klingt wohl die Sorge, daß die Zivilisten bis zu diesem ja noch entlegenen Zeitpunkt nicht durchhalten könnten, aber sie wird beschwichtigt durch den Hinweis auf den herrlichen Geist im Heere. Die Niederlagen der Russen bleiben eindruckslos, weil sie in den Zeitungen nur in Verbindung mit ihrer neuen bevorstehenden Offensive gemeldet werden, und über das Versagen des für den Frühling angekündigten Joffreschen Angriffes setzt man sich mit dem Trost hinweg, daß der Feind bald aus Mangel an Geld oder Rohstoffen wie Baumwolle und Kupfer zusammenbrechen werde und der Sieg des Verbandes auch ohne Erfolge auf dem Schlachtfeld gesichert sei. Deutschlands Niederlage liegt zwar noch nicht in greisbarer Nnhe, ist darum aber nicht weniger gewiß.

Mit dieser Zuversicht stimmen die Kämpfe der letzten Kammerverhandlungen schlecht überein, die beinahe zum Sturz der Regierung geführt hätten und den Zwiespalt zwischen der Mehrheit und dem Ministerium der nationalen Verteidigung offenkundig gemacht haben. Auf den Inhalt der einzelnen Angriffe kommt wenig an. Es mag im Sanitätswesen und in der Munitions­beschaffung vieles versehen sein, aber alle diese Punkte sind nur Vorwände, hinter denen sich die allgemeine Mißstimmung verbirgt. Sie gilt ebensosehr der obersten Heeresleitung wie der Militärverwaltung. Da man sich aber an den noch immer volkstümlichen Generalissimus nicht heranwagt, fällt der Zorn der Abgeordneten ausschließlich auf Millerand. Er und seine Amts­genossen verdanken ihre nochmalige Rettung vielleicht weniger der Redekunst Vioianis, als der Unlust der Opposition, die wenig beneidenswerte Erbschaft anzutreten. Viviani, Delcassö, Millerand sind sicher keine großen Staatsmänner, aber auch die Gegner verfügen über keine starke Persönlichkeit. Die Rückkehr