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Riga in Friedenszeiten
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Riga in Friedenszeiten

Eine Plauderei von M, Rednas

uf den Pfaden der Hansen durchfurchte die Alexandra das Ostmeer. Der Stadt strebte sie zu, deren Wurzeln aus der Pionierarbeit deutscher Kaufleute in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts hervorgewachsen sind, deren Christentum und Kultur auf durchaus norddeutscher Grundlage ruhen: Riga, der glänzenden Metropole des russischen Ostseehandels. Von ihren Fahrten in die westlichen Kulturländer zurückkehrende Balten waren an Bord, ein stattliches, frohes Geschlecht; scharf hebt es sich ab von den ursprünglich eingesessenen oder später eingedrungenen Liven, Letten, Esten. Russen. Eine 10000 bis 12000 Mann starke Gruppe im Deutschen Verein für Livland, wollen sie Hüter des Deutschtums gegen­über dem mächtig andringenden Slawentum sein; von der Einwohnerschaft Rigas machen sie etwas weniger als die Hälfte aus. bilden aber den qualitativ am höchsten zu wertenden Teil, im Geistes- und Wirtschaftsleben das eigentlich vor­wärts treibende Element. Ein leiblich und geistig sympathisches Geschlecht, diese blonden hochgewachsenen Balten, das sich nun heimisch fühlt in diesem von der Natur nicht gerade bevorzugten Uferland an der unteren Düna. Mit soviel Stolz uud Freude sprachen sie von ihrer Heimatstadt, daß die fremden Reisenden voller Spannung dem Ziel entgegensahen.

Dünamünde — der Dampfer stoppt. Der russische Lotse wird an Bord genommen. Einen Augenblick fesselt der große, starke Mann, der in seiner Leinwandjacke neben den deutschen Kapitän tritt, die allgemeine Aufmerksamkeit; aber da er nichts sagt und nur zuweilen sein Glas phlegmatisch auf irgend etwas in der Ferne richtet, so wendet sich das Interesse bald all den verwickelten Maßnahmen zu, die notwendig sind, um einem Auslandsdampfer das Einlaufen in einen russischen Hafen zu ermöglichen, zum Beispiel der Zoll- und Paß­revision. Ein gerade einscchrendes russisches Torpedoboot, die Befestigungen von Dünamünde werden neugierig angeschaut, und endlich dampfen wir weiter. Bald tritt Riga in unseren Horizont, und es wird uns von Minute zu Minute klarer, daß wir uns einer Stadt der Arbeit nähern. Flöße werden von den zünftigen Ankerneeken sorgfältig stromab geleitet; an senkrechter Granitmauer verankert liegen in langer Reihe russische, finnische, skandinavische, hansische Dampfer, ladend und löschend: Kohlen, Bretter, Eisenbahnschwelleu, landwirt­schaftliche Maschinen. Mühlsteine. Weiter stromauf kommen die herrlichen Türme Rigas in Sicht, in noch größerer Entfernung strebt eine Speicherstadt aus roten Backsteinbauten empor; Sägemühlen, ein Elevator find in Tätigkeit; kurz: das Fauchen. Stampfen, Dröhnen der unendlich vielseitigen Arbeit einer gewaltigen Handelsstadt berührt den Hamburger wie ein Gruß aus dec Heimat. Endlich wird die Alexandra am Kai vertäut. Jeder ergreift sein Handgepäck und wartet mit kaum gemäßigter Ungeduld, bis der diensttuende Beamte seinen Namen aufruft. Nun darf nach Empfangnahme des Passes aus seinen Händen der