Skandinavien und der Arieg
von Lrnst Liljedahl, ^auptmann und Mitglied des schwedischen Reichstages
ie politische Anschauung, welche die Großmachtpolitik trägt und die zum Weltkriege geführt hat, ist der Imperialismus. Als man zuerst anfing, sich dieses Wortes mit Hinweisung auf das altrömische Kaiserreich (das Imperium Komanum) zu bedienen, bedeutete es eine willkürliche „Soldatenkaiserherrschaft". Wenn jetzt der Begriff auch in kulturellem merkantilem Sinne gefaßt wird, so ist sein Träger doch derselbe Grundgedanke: der einer auf militärischer Kraft fußenden Weltmacht. Der Staatstypus des heutigen Imperialismus ist ein Zentralland als Mutterland und um dieses herum teils oft eine Gruppe unterjochter Grenzvölker, teils in der Ferne liegende Kolonien, teils schließlich ein mehr oder weniger mittelbarer Einfluß innerhalb der übrigen „Interessensphären" der Großmacht in verschiedenen Weltteilen. Eine lebenskräftige Großmacht trachtet danach, sich auf diese Weise in erwerbspolitischer Hinsicht von anderen Staaten unabhängig zu machen und den Glanz ihrer Macht zu vergrößern. Rußlands jahrhundertelange Wanderung durch Asien, Polen, die Ostseeprovinzen, Finnland und nach dem Balkan hinunter, die Spanien entrissenen Eroberungen der Vereinigten Staaten und ihre panamerikanischen Bestrebungen, Japans Vormarsch auf dem Festlande Asiens, Englands ungeheueres Weltreich, Deutschlands Austreten als Konkurrent dieser Macht in verschiedenen Weltteilen, Italiens Tripolisstreich — sind bekannte Äußerungen der imperialistischen Politik.
Es ist klar, daß der Imperialismus seine Bahn durchlaufen muß, bis er seine Mission erfüllt hat, soweit diese ein Ausdruck des eigenen Bedürfnisses des Lebens ist und also ihre Berechtigung hat. Diese Riesenpolitik bringt die verschiedenen Teile der Erde in fruchttragende Verbindung miteinander, wie einstmals die Heerzüge der alten Völkerwanderungen. Sie bereitet auf ihre Art das Verschmelzen der Menschheit in eine künftige Einheit vor. Den ganzen Imperialismus verabscheuen, weil er eine Menge Rechtsverletzungen erzeugt, wäre ebenso unvernünftig, wie wenn man den Regen verabscheuen wollte, weil er oft die Saaten des Bodens durch brutale Überschwemmungen verdirbt. Der Imperialismus repräsentiert eine wirksame Arbeitsmethode, ein von gigantischen