Ariegsliteratur
von l)r. jur. Kurt Ed. Jmberg II. Ostasien
ehr als gewöhnlich angenommen wird, ist auch der Ferne Osten durch den Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogen worden, deren Folgen sich vielleicht erst in der Zukunft in ganzem Lichte zeigen werden. Die Teilnahme Japans am Kriege war mit der Eroberung Tsingtaus keineswegs beendet; denn das Ziel der Japaner lag weiter, und Tsingtau war nur der erste Meilenstein auf dem Wege dorthin. Das Ziel, auf das Japan seit Jahren hingearbeitet, und das es wohl in erster Linie zur Kriegserklärung gegen Deutschland bestimmt hat, ist die Oberherrschaft im Fernen Osten.
Aber trotz des japanischen Vordringens ist Ostasien für deutsche Kultur und Arbeit nicht verloren, und wenn die Japaner jetzt in China die Oberhand zu gewinnen und den europäischen Einfluß auszuschalten trachten, so muß nach dem Frieden eine um so regere Tätigkeit deutscher Arbeit in Ostasien einsetzen, um mit allen Mitteln eine „Koreanisierung" Chinas, welches ein weites und fruchtbares Gebiet für die Aufnahme unserer kulturellen und wirtschaftlichen Fähigkeiten ist, zu verhüten.
In einer ausgezeichneten Broschüre: „England und Japan seit Schimonoseki" (Verlag von G. D. Baedeker, Essen) gibt Professor Hashagen auf Grund reicher Literaturkenntnis einen klaren Überblick über die Entwicklung im Fernen Osten seit dem Frieden von Schimonoseki im Jahre 1895. Das Eingreifen Rußlands, Frankreichs und Deutschlands zugunsten des besiegten Chinas hat die Japaner stark verschnupft, und die englische Politik hat es meisterhaft verstanden, dieses Verschnupftsein auszunutzen und sie auf alle Weise, insbesondere mittels der Presse gegen Rußland und Deutschland zu Hetzen. So gelang es ihr, ihren gefährlichsten Gegner in Asien, Rußland, durch den neuen „Freund" aus Nippon Zu besiegen. Hashagen schildert die einzelnen Phasen des englisch-japanischen Bündnisses, seine Erweiterung im Jahre 1905 und seine Wiedereinschränkung im Jahre 1911; er zeigt die allmähliche Annäherung zwischen den beiden Feinden von 1904 bald nach dem Friedensschluß und als Folge davon die allmähliche Abkühlung der englisch, japanischen Freundschaft. Das Bündnis mit England tritt für Japan immer mehr in den Hintergrund, und wenn man jetzt die japanische Presse liest, so findet man fast in jeder Nummer den Gedanken