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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Pädagogik

Die nationale Aufgabe des deutschen Bolkskindergartens. Wie die hohe erziehliche und kulturelle Bedeutung des Volkskinder­gartens in weiten Kreisen längst noch nicht gebührend gewürdigt wird, so ist man sich bisher selten oder gar nirgend bewußt ge­worden, daß der Bolkskindergarten den Wichtigsten Faktor aller unserer nationalen Bestrebungen darstellt. Die Seele des KindeS ist unbestelltes Ackerland, das, vernachlässigt, keinerlei Frucht, höchstens Unkraut hervor­bringt, das recht bearbeitet und mit dem rechten Samen besät die Ernte hervorbringen kann, die wir erhoffen. Gegen Sturm und Ungewitter, gegen Böswilligkeit und Schelmen­tat, die unser mühsames Werk vernichten, vermögen wir freilich wenig zu tun. Unser Gewissen wird uns dann immer fragen dürfen: was war dein Anteil an diesem traurigen Menschenverkommen? Dein Nichts­tun! Besinnen wir uns! Die Zeit ist ernst und schwer; sie lehrt uns tiefer als je den Wert eines Vaterlandes begreifen. Stellt sie uns nicht auch die ethische Forderung, diesen Wert, statt ihn nur zu nützen, zu schützen und zu erhalten? Eine Glut der Begeisterung, der Liebe zur deutschen Erde durchbrandet uns. Legen wir sie nicht nur in die Herzen der großen Jungen und Mädels, die schon ahnen, was es heißt: mein Deutschland. Wenden wir uns auch an die Kleinen, Un­verständigen, Ahnungslosen! Nicht etwa, daß wir ihnen erzählen von Kanonendonner und Heldentaten, nicht, daß wir ihr kleines Hirn überanstrengen mit dem Auswendiglernen von einem halben Dutzend Vaterlandsliedern, sondern indem wir mit unermüdlicher Sorg­falt ihre sprachliche Entwicklung beobachten, leiten und beeinflussen. Lehren wir unsere Kinder ihre Muttersprache von klein auf lieben

und richtig sprechen! Damit legen wir den besten Grund zu einer später einzusetzenden verstandesmäßigen nationalen Erziehung. Der Kindergarten hat von jeher großen Wert auf die sprachliche Entwicklung gelegt; er achtet sorgsam auf richtiges Wort- und Satzbilden, er läßt die Kinder reizende kleine altberühmte Bolksliedchen und Reime singen lernen statt der ekelhaften, französisch-dekadentem Vorbilde nachgeahmten Gassenhauer, die die Großstadtjugend bisher gröhlte, er ver­sucht, durch frisches Erzählen von dem Kinder­verständnis angepaßten Erzählungen aus der Sagen- und Märchenwelt bereits ethische Keime zu legen. Und so ist der Kindergarten nicht nur eine für die arbeitende Mutter hoch­willkommene Gelegenheit, ihre Sprößlinge die Zeit ihrer häuslichen Abwesenheit unter Aufsicht verbringen zu lassen, sondern eine Pflegestätte vaterländischen Fühlens in der für diese jüngsten Altersstufen einzig möglichen Art. Wie hochbedentend diese Tätigkeit des Volkskindergartens in ganz besonderem Maße für die Grenzlande mit teilweise sprachlicher Verschiedenheit wird, das haben Wohl einzelne patriotische Verbände erkannt, indem sie auf ihre Kosten, in der Provinz Posen zum Bei­spiel, Kindergärten gründeten. In weiten Kreisen ist man sich dieser nationalen Arbeit des Kindergartens aber keineswegs bewußt. Was sie, richtig geleitet und finanziert, für unglaubliche Erfolge haben kann, das möge uns das Beispiel eines unserer Feinde lehren. Man lernt nicht gern vom Feind. Doch ist dies töricht, denn gerade ihm gegenüber setzen wir eine besonders scharfe kritische Sonde an. Und müssen wir etwas, das er tat, für nützlich erkennen, weshalb denn nur heimlich sich selbst das zugeben, weshalb nicht seine Erfahrung sich dienstbar machen? Frank­reich begann im Jahre 1792 in richtiger Er­wägung, daß die Sprache das wichtigste