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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches Unmaßgebliches

Theologie

Kirchengeschichtliches Lesebuch. Heraus­gegeben von Prof. Dr. H. Rinn in Hamburg und Pfarrer lio. tkeol. Jüngst in Stettin. Große Ausgabe. Dritte vermehrte und ver­besserte Auslage. Tübingen, Verlag von I. C. B. Mohr. 191S. Preis M, 6., geb. M. 7.. 430 Seiten.

Mit der Herausgabe dieses kirchengeschicht­lichen Lesebuchs, als dessen ausschließlichen Verfasser man Wohl nur Rinn in Anspruch nehmen darf, hat> sich der Verfasser ein wirk­liches Verdienst um das Studium der Theologie und um die Vertiefung des Religionsunter­richts an unseren höheren Schulen erworben. Das Buch ist von der richtigen Voraus­setzung aus geschrieben, daß der religiösen Gewißheit um so besser gedient wird, je ge­wissenhafter die Arbeit ist, die über die Ent­stehung und den Werdegang des Christentums von seinen ersten Anfängen an quellenmäßige Klarheit und Wahrheit verschafft. Einen überreich quellenden Stoff, der sich auf beinahe zwei Jahrtausende erstreckt, auf einen ver­hältnismäßig engen Raum zusammenzu­drängen, war nur möglich bei der sicheren Beherrschung des Materials durch den Be­arbeiter, der den Leser auf möglichst geradem und geebnetem Wege dem Ziele der Gegen­wart zuführt.

Das Buch zerfällt in fünf Abschnitte. Die beiden letzten Abschnitte des Buches halten wir für die vortrefflichsten Teile des ganzen Werkes, obschon auch die drei ersten Abschnitte eine Quellensammlung von grundlegender Bedeutung sind und in wissenschaftlichen katholischen Kreisen ebenso günstiger Auf­

nahme begegnen werden wie die beiden letzten Abschnitte in protestantischen. Zu dem Interesse an der Sache gesellt sich das Interesse an den Persönlichkeiten. Auch von der Kirchengeschichte gilt das von der Profanen Geschichte geprägte Wort: Persönlichkeiten machen die Geschichte. So sucht denn auch Rinn den Hauptwert seines Buches in dem quellen­mäßig belegten Werdegang der Männer, die Kirchengeschichte gemacht haben. Wir empfangen höchst wertvolle Auszüge aus dem Leben der religiösen Helden des Mittelalters von Augustin an bis herab zu EraSmus Diese Namen allein berühren bei aller Kürze der Erwähnung so vieles, daß man gar nicht daran denken kann, auch nur eine knappe Darstellung zu versuchen. Um s» wichtiger ist die Persönlichkeit, die nun der ganzen Kirchengeschichte in der Folgezeit ihr dauerndes Gepräge aufdrückt, Martin Luther. Trotz der seit dem Jahre 1383 gewaltig an­geschwollenen Lutherliteratur ist das Urteil über ihn noch nicht zur Ruhe gekommen. In leidenschaftsloser Einfachheit läßt Rinn den großen, gewaltigen Eindruck vor uns erstehen, den diese religiöse Heldengestalt auf Mit- und Nachwelt allezeit gemacht hat; er verkörpert den jungen Gottessucher, den un­gestümen Beter und Rufer im Streit um sein Gewissen und seiner Seele Seligkeit, die ungeschlachte Derbheit des in der Notwehr um sich schlagenden Kämpfers, den aus­harrenden Mut des ungebeugten Titanen, der eine Welt aus den Angeln hebt und doch in allem, was er tut, sich beugt unter die gewaltige Hand des allmächtigen Gottes. Hier führt uns Rinn zu den Höhen der Menschheit, in das Reich des Großen, Er--