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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Politik

Unser Vetter Tartuffe oder Wie England seine Kolonie» erwarb. Von Dr. Richard Hennig. Herausgegeben von Weltverkehr und Weltwirtschaft, Berlin, Hermann Paetel, Verlag, G. m. b. H., 1914. Preis M. 1.20. 47 Seiten.

Dieses Buch ist eine sehr interessante Er­scheinung. In unserer Jugend hat man unter dem Druck der Zeit die deutsche Geschichte in der Schule dargestellt als nur beeinflußt von der politischen Haltung Frankreichs gegen Deutschland. Darüber ist England stiefmütter­lich vergessen worden, und infolgedessen ist auch unter den sogenannten Gebildeten Deutsch­lands vielfach unbekannt, welche weltgeschicht­liche Bedeutung die Gründung der ostindischen Kompagnie am 22. September 1599 hatte. Von ihr datiert Hennig mit Recht die Ent­stehung des britischen Weltreiches, an dessen Schaffung und Mehrung jeder englische Staats­mann mit sehr viel Klugheit, aber mit noch größerer Gewissenlosigkeit gearbeitet hat. Mit Geschicklichkeit und objektiver Wissenschaftlichkeit stellt Verfasser dar, wie England seine koloni­sierenden Nebenbuhler, Spanien, Portugal, Frankreich, Holland skrupellos niedergerungen hat. Von dem Augenblick ab, in dem Bismarck deutsche Kolonien erwarb, war es jedem Eng­länder klar, daß der Zusammenstoß der ger­manischen und englischen Welt unvermeidlich wurde. Hennigs Schrift beweist, daß die VorseHung uns einem Feinde gegenüber ge­stellt hat, dem der Krieg keine sittlichen Be­schwerden macht, der den Willen zur Macht für weniger kostspielig hält, als die juristisch­diplomatische Gewähr und ihr Gefolge, die Schwäche. Eine große Menge wissenswerter Einzelheiten ist aufgehäuft, die uns nötigen,

umzulernen und zuzulernen, bedeutsame Augen­blicke der Kolonialpolitik aller Länder dem Gedächtnis einzuprägen. Als ein Motto neben anderen hat der Verfasser das Bekenntnis einer schönen Seele, des Lord Derby, gewählt, der schon im Jahre 1857 sagte:Unser ganzes Verfahren gegen andere Nationen ist schamlos in hohem Grade, Gereichen die Regeln des Völkerrechts zu unseren Gunsten, so dringen wir auf Vollzug, sind sie es nicht, so lassen wir sie ungestraft übertreten. Die Geschichte des Seerechts, des Seeunrechts, steht da als unvertilgbares Zeugnis der grenzenlosen Selbst- und Habsucht des eng­lischen Volkes und seiner Regierung."

Heinrich Reuß

Heeresw esen

Als vor zwei Jahren die kriegerischen Ereignisse auf dem Balkan über ganz Europa Wellen der Erregung sandten, brachten die Grenzboten einen nachdenklichen Aufsatz*), dem ein Werk zugrunde lag, das trotz seines ehrwürdigen Alters heute noch mehr als da­mals wahrhaft zeitgemäß ist. Auch wenn nicht daS Erscheinen einer neuen, verbesserten Auflage (jetzt im Verlag von B. Behr ^Friedrich FeddersenZ, Berlin-Steglitz. Preis gehestet 7 M., in Halbleinen 3,50 M., in Halbleder 10 M.) den besonderen Anlaß böte, wieder auf daS BuchVom Kriege" des Generals von Clausewitz hinzuweisen, müßte inmitten unseres großen Kampfes daran er­innert werden, daß wir in dieser Niederschrift von Gedanken, die vor beinahe hundert Jahren Clausewitz' machtvollen Geist bewegten,

*) Vom Kriege? Von Janus. Grenz­boten 1913, Heft 16.