Schweden und der Weltkrieg
von Dr. Elfe Hildebrandt
lie große Masse des deutschen Volkes erwartete nach Beginn des Krieges ein Heraustreten Schwedens aus seiner Neutralität. Häufig hörte man die Ansicht, daß das nordische Reich eine aktive Politik treiben müsse, um sich das in dem unglücklichen > Kriege mit Rußland 1809 verlorene Finnland wiederzugewinnen. Gerade diese Ansicht zeigt, wie wenig genau man im allgemeinen in Deutschland die Stimmung in Schweden kennt. Finnlands Schicksal ging Schweden ohne Zweifel recht nahe, die demokratische Grundlage seiner Verfassung und der meisten feiner Einrichtungen ließ es doppelt schwer die Vergewaltigung des Landes empfinden, mit dem es durch die jahrhundertlange Gemeinsamkeit des Schicksals so eng verknüpft ist. Aber das Schwert für die Wiedergewinnung des Nachbarlandes zu ziehen, daran hat in den letzten Jahrzehnten weder im Volke noch in offiziellen Kreisen irgendjemand gedacht. Ist doch auch die Stammverwandtschaft nicht so groß, wie man im allgemeinen meint: Finnland besitzt heute neben 86 Prozent Finnen nur 13 Prozent Schweden.
Schweden hat in dem Weltkrieg verstanden, im korrekten Sinne seine Neutralität zu bewahren. Diese Tatsache hindert jedoch nicht, daß das Volk und die einzelnen Parteien eine mehr oder weniger freundliche Stellung zu den einzelnen kriegführenden Staaten einnehmen. Die schwedische Volksvertretung wird von nur drei Parteien gebildet: den Rechten, die wohl unseren National- liberalen am nächsten stehen — Konservative im deutschen Sinne gibt es m Schweden nicht —, den Freisinnigen und den Sozialdemokraten. Seit den letzten beiden Wahlen haben die Liberalen einen großen Teil ihrer Mandate Grenzb»ten II ISIS 7