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Ariegskarten
von Albrecht Vühr
och herrscht, wenn man jetzt im Publikum umhört, seltsame Unklarheit über Raumgrößen und Entfernungsmaße, über landeskundliche Tatsachen und Lageverhältnisse. Gewiß widmet sich mancher dem sonst minder gewohnten Geschäft des Kartenlesens; aber unter der Menge von rasch auf den Markt geworfenen Kartenskizzen findet sich selten eine ausreichende Geländezeichnung, aus der sich Sinn und Zweck, Aufgabe und Erfolg der Truppenbewegungen heraus erkennen ließe. Eine klare Anschauung von der Landesnatur der Gebiete, in denen unsere Heere sich mühen, ist unter den Daheimgebliebenen dringend erwünscht; denn nur, wenn sie deutlich sehen und sicher urteilen, vermögen sie ruhige Haltung zu bewahren und dadurch ein Rückgrat auch für die Spannkraft unserer Truppen draußen darzustellen, sittlich, wirtschaftlich und politisch. Länderkundliches Wisse» gilt es entgegenzuhalten dem wunderlichen Nebelgewölk der Meinungen (über Ratsamkeit oder Nichtratsamkeit von Einverleibungen). Politisch-geographisches Urteilsvermögen wird Träger der Weltgeltung sein müssen, die uns dieser Kampf sichern soll."
Diese Sätze des ausgezeichneten Methodikers der Erdkunde, des Professors Felix Lampe, in seinen höchst anregenden „Geographischen Betrachtungen über die Kriegsschauplätze" (Geogr. Anzeiger 1915. Heft 1. S. 8) veranlaßten mich, einmal die erschienenen Kriegskarten auf ihre Brauchbarkeit in jenem höhereu Sinne zu prüfen und der Allgemeinheit einige Winke zu geben.
Ich fand bestätigt, daß der größere Teil der erschienenen Kriegskarten wirklich jegliche Geländezeichnung vermissen läßt; sie beschränken sich darauf, dem Zeitungleser gewissermaßen nur einen mehr oder weniger ausführlichen und zuverlässigen Lageplan mit Flüssen. Ortschaften. Straßen. Eisenbahnen zu geben, der allenfalls ermöglicht, die Kurven der Stellungen, die Richtung des Vormarsches, die Marschlänge. Entfernungen verschiedener Art. auch wohl gewisse Hemmungen des Bewässerungssystems festzustellen; er wird aber nimmer oder nur in seltenen Fällen gestatten, das strategische und taktische Wie und Warum zu begreifen. Schlüsse auf die Weiterentwicklung zu ziehen. Einficht in Maßnahmen der eigenen oder der feindlichen Heeresleitung zu gewinnen. Und das wird und muß doch der Wunsch eines jeden denkenden Zeitunglesers sein! Wer noch nicht so anspruchsvoll ist, wer überhaupt in der rechten Weise Kriegs-