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Das große Wecken :
(Schluß)
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Das große Wecken

von Oswald Meyer (Schluß) 4.

Schweigend, ohne Lied und Scherz, geht der Marsch, nach Osten, dem Morgen entgegen. Aber kein zartes Morgenrot jubelt weckend über die Erde, kein Sonnenstrahl bricht sieghaft durch das schwelende Schwarz, das den Morgen verhüllt.

Vorwärts, vorwärts in der klaren Morgenkühle. Scharf und beißend steigt ihnen die Luft entgegen. Und bald sind sie einem Dorfe nah.

Wie ein böser Geist liegt schwelender Qualm darüber. Pestgeruch zieht weithin wie eine wehrende Mauer: verbranntes Vieh liegt zu Häuf. Nackt und trostlos starren Pfosten und Sparren in den Himmel: der Häuser Rippen, abgenagt vom fressenden Brand. Schutt und Trümmer sperren die Straßen. Quer über den Weg liegt, als sei er als Wächter gefällt, ein Bauer zur Unkenntlichkeit zerfetzt von Hieb und Stich das graubärtige Gesicht.

Weiter über die Dorfstraße. Kein Haus, das unversehrt. Hohl starrt aus eingeschlagenen Fenstern, toten Augen gleich. Elend und Not. Tiefe Wunden sind den Mauern geschlagen, ihre Wehr ist zerborsten Wind und Regen und alles Getier findet Einlaß über die Schwelle. Des Herdes Heilig­keit ist zerstört. Hausrat und fromme Erinnerung ist auf die Straße gezerrt.

Drohend winken und nicken die Lanzenspitzen durch das Dorf.

Am Weiher liegt es zu Häuf was ist es? Warum steht der Pfarrer dort aufrecht am Baum? Warum kommt er nicht herbei und gibt Auskunft über das grausige Geschick des Dorfes, über das grausige Durcheinander dort am blutgefärbten Dorfteich?

Seht ihr nicht? Er ist an die Linde gebunden! Und warum schweigt er auf unseren Ruf. Seht ihr nicht sein bleiches Gesicht, nicht den eingetrockneten blutigen Quell aus seinem Mund? Sein Wort mag den Mordbrennern Gottes Strafe verkündet haben sein dräuendes Zorneswort da haben sie ihn zum Schweigen gebracht.

Was winkt dort aus den Lindenästen eine Hand eine weiße Kinder­hand --wo ist der Körper, dem die weiche Hand fehlt?

Sie steigen ab, die braven Reiter. Totengräberdienste tun sie. Sie wissen nicht, ob sie die Mutter zum Kinde legen. Ob das abgeschlagene Haupt zum Körper

gehört--sie wissen nur: nicht ein Mann ist unter den Toten außer

dem Pfarrer. An den Wehrlosen haben sich die Barbaren vergriffen.