Ein französisches Herz
von Uurt Münz er
n der Morgendämmerung hatten unsere Truppen das kleine französische Dorf genommen. Alle Bewohner hatten es längst verlassen, aber der Feind hatte es drei Tage besetzt gehalten und verzweifelt gekämpft. Da hatten schließlich die Württemberger mit letzter Kraft gestürmt. Sie stürzten in den Kugelregen hinein, tollkühn, furchtlos. Und vor dieser Attacke flohen die Franzosen. Das Dorf wurde unser. Aber das Gefecht zog sich weiter. An einem Bach entlang, durch ein Gehölz. Da rettete sich der Feind in die eigenen Schützengräben, und wir begannen, ihm gegenüber neue auszuwerfen. Artillerie rasselte nach. Die kleinen Dorfhäuser zitterten.
Die Kirche hatte bereits dem Feind als Lazarett gedient. Aber die Verwundeten hatte man mitgenommen oder bereits vorausgeschickt. Wir fanden nur noch unbedecktes Stroh, das hier faulte, dort blutig war. Und alsbald begannen wir, zu säubern und zu rüsten. Schon warteten draußen auf dem Plätzchen vor dem Portal die ersten Angeschossenen. Zwei Ärzte waren tätig, indessen wir Gehilfen Decken ausbreiteten nnd Laken glätteten. Die Morphiumspritzen wurden gefüllt, und in der Sakristei bereitete ich den Operationstisch. Es war ein ausgedienter Altar. Und schon legten sie einen Stöhnenden auf diesen Tisch Gottes. Ich entkorkte die Ätherflasche.
Gegen Mitternacht wurde es still. Der letzte Verwundete war eingebracht. Sechzig Mann lagen in dem Schiff der kleinen Kirche, Seite an Seite, unter sauberen Decken. Die Ärzte und Helfer waren gegangen, und ich hatte die Nachtwache. Kein anderer Sitz bot sich mir als ein Beichtstuhl. Ich öffnete ihn und setzte mich auf die Stufe. Eine Laterne stand neben mir, eine andere schaukelte statt des ewigen Lämpchens vor dem Altar. Es wurde still überall, draußen in der Ferne vergrollte die Schlacht, die Nacht kam zur Ruhe, und in der Welt begann es zu schweigen. Aber da hörte ich die Stimmen alle der Stille. Süße, feine, klingende Stimmen, ein wunderlich-wunderbares Schlachten-