Kriegstagebuch
gewinnen können. Da es sich nur um eine Gelegenheitslektüre handelt, stehen diesem Vorschlag prinzipielle Bedenken so gut wie gar nicht entgegen. Das einzige einigermaßen in Betracht kommende wäre, dasz hier ein Ziel der Schullektüre: Vermittlung von Kenntnissen über das Leben des fremden Volkes vernachlässigt wird. Indessen ist die Schulzeit lang genug, als daß diese Lücke nicht durch andere Werke völlig ausgeglichen werden könnte. Dagegen bietet unsere Broschüre eine Reihe anderer nicht zu unterschätzender Vorteile: höchstes stoffliches Interesse (zu einer Zeit, da von allen Seiten über, übrigens fseien wir ehrlich!j begreifliches Nachlassen des Interesses an den Schulgegen
ständen geklagt wird), Pflege vaterländischen Sinns (im fremdsprachlichen Unterricht!), Aufklärung der Jugend weit nachhaltiger als es durch Zeitungen möglich ist, reichste Gelegenheit zu wirklich interessanter Konversation, Pflege der Umgangssprache, Erweiterung der geschichtlichen Kenntnisse namentlich betreffs der vielfach so stiefmütterlich behandelten jüngsten Vergangenheit. Die Anforderungen an Grammatik- und Bokabel- kenntnisse gehen nirgends über die der mittelschweren gewöhnlichen Schullektüre hinaus und bleiben weit hinter denen, die Shakespeare, Byron, selbst Dickens stellen, zurück, fast überall ist die Möglichkeit schnellen Fortschreitens gegeben. ki. S.
Kriegstagebuch
26. Dezember 1914. Ein Zeppelin wirft Bomben auf Nancy.
26. Dezember 1914. Vergebliche Angriffe der Franzosen nordöstlich Albert, im Meurissonsgrunde (Argonnen), südöstlich Verdun und östlich Thann-Dammertirch (Elsaß).
26. Dezember 1914. Russische Angriffe in Richtung Jnowlodz unter schweren Verlusten der Russen zurückgeschlagen. — Die Österreicher schlagen die Russen am unteren Dunajec und an der unteren Nida.
26. Dezember 1914. Der deutsche Hilfskreuzer „Prinz Wilhelm" versenkt an der Südostküste Südamerikas 4 englische Handelsschiffe.
27. Dezember 1914. Gescheiterte Angriffe der Franzosen und Engländer bei Nieuport, nordwestlich Arras, südöstlich Verdun und westlich Sennheim. — Südlich Upern ein feindlicher Schützengraben genommen.
27. Dezember 1914. Das Portugiesische Expeditionskorps unter Oberst Nocadas erlitt auf deutsch-südwestafrikanischem Gebiet eine schwere Niederlage; es mußte sich über die Grenze nach Angola zurückziehen.
27. Dezember 1914. Die Österreicher weisen heftige Angriffe der Russen nordöstlich Zakliczyn zurück.
28. Dezember 1914. Französische Angriffe bei St. Menehould abgeschlagen, mehrere hundert Gefangene gemacht, drei Maschinengewehre erbeutet, ein Schützengraben ini Bois Brule genommen.
28. Dezember 1914. Russische Angriffe südlich Jnowlodz zurückgeschlagen. — Russische Niederlage im Kaukasus, die Türken nehmen über 100 Mann gefangen und erbeuten 2 Kanonen, 1 Maschinengewehr, sowie vieles Kriegsmaterial.
28. Dezember 1914. Angriff der Montenegriner bei Trebinje von den Österreichern zurückgewiesen.
29. Dezember 1914. Russische Kavallerie auf Pillkallen zurückgeworfen.