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Die Grenzen des Versicherungsgedanken : ein Beitrag zur Philosophie der Zivilisation
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Die Grenzen des Versicherungsgedankens

Lin Beitrag zur Philosophie der Zivilisation von Dr. Max Hildebert Boehm

ie Entwicklung, die Deutschland seit der Begründung seiner staat­lichen Einigkeit genommen hat, kennzeichnet sich im wesentlichen als ein gewaltiger zivilisatorischer Aufschwung. Hieraus erklärt sich der Konkurrenzneid der Völker, die die Dinge der Zivilisation in Erbpacht zu haben glaubten und uns dafür gnädig die Rolle eines Kulturlakeien zuwiesen, der die Herren der Erde in Musik und Philosophie zu bedienen hätte. Daß aber in uns der Wille zur Macht, der sein wirksamstes Mittel in der modernen Technik findet, plötzlich wieder lebendig wurde, das konnte man uns nicht verzeihen. Dies ist allbekannt. Es sollte aber auch das andere nicht vergessen werden, daß sich aus diesem wesentlich zivilisatorischen Charakter unserer jüngsten Epoche auch das seltsame Mißtrauen, die scharfe Kritik erklärt, die seit Nietzsche nicht die Schlechtesten unter unseren Volks­genossen zu Beschwörern und mahnenden Warnern gegenüber dem neuen Deutschland gemacht hat. Der Wechsel kam sehr schroff. Aus der Gedrücktheit und Kümmerlichkeit des kleinstaatlichen Deutschlands führten uns die über­raschenden kriegerischen Erfolge in die Reihe der gebietenden Großmächte. Zu weit lagen die Zeiten der staatlichen Herrlichkeit im großen Mittelalter zurück. Wir hatten sie vergessen. Wir warenkleine Leute" geworden. Jetzt wurden wir Parvenüs. Wir bauten in einem erschreckenden Tempo Großstädte, deren Villenviertel, errichtet aus dem Gold des über Nacht reich gewordenen Neu­deutschland, das Fürchterlichste an Unselbständigkeit, Aufdringlichkeit und innerer Hohlheit im Stil boten, was die deutsche Baugeschichte gesehen hat. Die Philosophie lag brach, abseits stand als Prediger in der Wüste der eine Friedrich Nietzsche. Und in der Dichtung und Malerei feierten Epigonentum und Histo­rismus ihre Orgien. Verstaubt stehen heute die Werke von Georg Ebers im Bücherschrank als trauriges Erinnerungsmal derGründerzeit".

Man sieht: die Arbeit an der Naturwissenschaft und der auf ihr auf­bauenden Technik, die rechtliche Ordnung des neuen Reiches, die Ausgestaltung der sozialen Einrichtungen, in denen das Versicherungswesen schnell eine beherr- fchende Stellung gewann: all diese Zivilisationsarbeit sog die Kräfte der Nation dermaßen auf, daß für die kulturellen Leistungen in Philosophie, Kunst und Geistes­wissenschaft, daß für eine religiöse Erstarkung undVertiefung kaum etwas übrig blieb.