Amerika am Bau seiner Handelsflotte
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ei all der Erregung in Europa, allein voran natürlich in England, über die ungleiche Behandlung der Handelsschiffe der Vereinigten Staaten und der fremden Schiffe im Panamakanal, wird die Hauptsache, namentlich in Deutschland, sogut wie vollständig übersehen. ^ Man hat sich entrüstet über die einem vollkommenen Bruch gleichkommende Auslegung des Hau-Pauncefote-Vertrages durch die vereinigten Staaten, derzufolge man die von England zur Bedingung gemachte Gleichheit der Gebühren für alle Handelsflaggen so verstand, als sei damit gemeint: „alle Handelsflaggen mit Ausnahme der nordamerikanischen". Aber man hat den zweiten Teil des inzwischen zum Gesetz gewordenen Kongreßbeschlusses sehr wenig beachtet. Nach diesem Beschluß können im Auslande gebaute Handelsschiffe fortan zollfrei unter amerikanische Flagge gebracht werden und erwerben dadurch den Anspruch auf gebührenfreien Verkehr im Panamakanal. Man hat nicht bedacht, daß damit der Auswanderung europäischer Schiffe eine Tür geöffnet wird, die zu einer vollständigen Verschiebung des Besitzes an Handelsflotten führen kann. In Deutschland hat man diesem Punkte keine Wichtigkeit beigemessen, in den Vereinigten Staaten aber hat man sehr wohl gewußt, was man tat. Man wollte endlich in den BefH einer starken eigenen Handelsflotte gelangen, wie sie England, Deutschland, Japan so wesentlich in ihrer überseeischen Wirtschaftspolitik unterstützt. Zu diesem Zweck wollte man eine Menge bester europäischer Schiffe für die Handelsflotte des Sternenbanners gewinnen; daher stellte man ihnen als Magnet die Gebührenfreiheit im Pcmama- kanal hin, die sie als fremde Schiffe gar nicht, als nordamerikanische aber mühelos erlangen können.
Grenzboten IV 1912 7«