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Karl Salzer : ein Roman :
(Schluß)
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

5?»

Und zum erstenmal seit ihrer Kindheit geht sie in die Kirche wie der arme

Zöllner und betet dort für dreie.

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Die Tage vergehen und die Wochen.

Zwei Gräber haben sich geschlossen, und schon blühen weisze Astern darauf.

Auf dem Friedhofe dulden sie sich als Nachbarn: der Selbstmörder und sein Sohn und der Grabschänder.

Und wenn die Hungels-Gret dort kniet in tiefer Zerschlagenheit und nicht fort will von den Gräbern, dann kommt eine Schwester des Ermordeten, ihre Nichte, führt sie hinweg und sucht die Trostlose zu trösten.

Aber diese weist alle beruhigenden Worte ab.

„Lieb Kind, du weißt nicht, wie mir's ums Herz ist. Ich mein grad, ich hätt alle Last der Welt zu tragen, und ich find keine Ruhe bis an mein Lebens­end, und ich möcht bald verzweifeln. Wer weiß, ob ich nicht noch bis über den Tod hinaus büßen muß. Dem? immerfort hör ich unsern Herrgott sprechen: Nichte nicht, damit du nicht gerichtet werdest. . .!"

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Theater

Georg Fuchs: „Die Sezession in der dramatischen Kunst und das Vollsfestspiel."

(Bei Georg Müller, München).

Georg Fuchs, der Leiter des Münchener Künstlertheaters, bringt in diesem Bändchen eine Reihe aktueller Gedanken, denen man einen gesunden Kern nicht abstreiten kann, so entschieden man auch die waghalsigen Konse­quenzen, zu denen der Verfasser gelangt, im letzten Grunde verwerfen musz. Der gesunde Kern liegt in dem Fuchsschen Aufruf, das zeitgenössische Theater vom Elend des „Lite­rarischen" zu befreien, einer Bühnenkunst die Wege zu bahnen, die in harmonischer Ge­schlossenheit nach großen, volksbeglückenden Zielen strebt, und nach dem Borbilde des attischen Theaters eine neue Kunstepoche heraufdämmern zu lassen, die den verlockenden Gedanken: „ein Volk, ein Gott, eine Kunst" in wirkungsvollen Riesenlinien auszudrücken vermag. Tatsächlich lastet das, was Fuchs das Literarische nennt, wie ein Fluch über unserem Theaterlebcn. Es hat eine solche Zerrissenheit, ein solches Sich-Verkapseln in Sonderbewegungen und eine so entschiedene

Abkehr von den Forderungen des Tages er­zeugt, daß schon sehr viel optimistische Phan­tasie dazu gehört, heute von einem lebendige» Zusammenhang zwischen Theater uud Volks­bewußtsein sprechen zu wollen. Wenn unsere ernsthaften Bühnenhäuser veröden und ihre Kundschaft mehr und mehr ans Varietö und an den üppig wuchernden Kinematographen abtreten müssen, so liegt das ganz gewiß daran, daß das Publikum im Theater schon lange nicht mehr findet, was eS sucht. Der auf der deutschen Bühne, wie es scheint, all­mächtige Snob hat da eine heillos breite Kluft geschaffen und wird vor dein Richterstuhl der Zukunft zweifellos die Sünde vertreten müssen, das dankbarste Menschenmaterial, das unser Volk herzugeben hat, böswillig und hartnäckig dein Theater entfremdet zu haben. Wenn ein Vergleich gestattet ist: die englische Bühne, so tief sie auch kulturell stehen mag, hat auf jeden Fall jenen lebendigen Zu­sammenhang mit der Gegenwart und mit der Zeit überhaupt, von dem wir oben sprachen. Sie wurzelt mit allen Fasern in der Welt des Engländers von heutzutage. Sie sucht ihr Ziel nicht im fragwürdigen Bereich blasser Problematik, sondern sie betont, stolz und