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Karl Salzer
das Spiel gewonnen: Bismarcks nur wenig verhüllter Wunsch, die katholische Kirche möge mit ungeschulten Kräften der Mission dienen, kam einer Ausschließung jeder katholischen Mission gleich, denn diese ist ohne Orden ebenso undenkbar, wie der evangelische Missionar ohne die heimische Organisation. Mit Berufung auf Bismarcks eigene Worte konnten sie nun die disparitätische Behandlung ihrer Konfession auch für die Kolonien behaupten, wenn Bismarck auch gegen eine solche „Ungeheuerlichkeit" sich auf das bestimmteste verwahrte. Die gefährliche Behauptung der Ultramontanen, daß einer Bekehrung der Schutzgebiete durch katholische Missionare das böse protestantische Kaisertum im Wege stehe, schien sich nach ihrer Auffassung bewahrheiten zu wollen. Zwar hatte Bismarck dem Zentrum dergestalt ein weiteres Mittel zur Erneuerung des Kulturkampfes in die Hand gegeben, aber auf die Kolonialpolitik konnte es keine Anwendung mehr finden, da diese zurzeit der besprochenen Debatte in ihrem wesentlichen Teile abgeschlossen war. Aller Macht der ultramontanen Partei zum Trotz erreichte er. daß während seiner Kanzlerschaft ihr Wunsch nach Aufhebung des Jesuitenparagraphen und Anwendung des Toleranzartikels der Kongoakte auch auf die deutschen Schutzgebiete vom Reichstag in den Sitzungsperioden von 1837 bis 1890 noch dreimal abgelehnt wurde.
Aarl Walzer
Lin Roman von Richard Rnies (Schluß)
Näher und näher rückt die Mitternacht, und nun wird der Junge vom Entsetzen förmlich geschüttelt. Er erinnert sich all der Gespenstergeschichten, die er von je gehört. Wie die Diebe Punkt Zwölfe aller Nacht die Ruhe ihres Grabes verlassen und zur Strafe für ihr Vergehen friedlos durch die Friedhofswege gehen müssen, die Augen zu Boden gesenkt, als suchten sie Verlorenes. Wie da die geizigen Bauern auferstünden, den Kirchhof verließen und hinauseilten auf den Acker des Nachbarn, dessen Grenzstein sie zu eigenen Gunsten verrückt haben, und wie sie nun eine Stunde lang mit den dürren Totenstngern den Boden um den Grenzstein auf- und wiederzuwählen müßten. Wie die Kinderlein ihren Gräberchen erstünden und Ringelreihen um ihre kleinen Kreuzlein herum spielten.
O, es ist so schauerlich, an all das zu denken. Es ist gewiß alles nicht wahr, aber wenn man um Mitternacht auf dem Friedhof steht wie ein frecher Eindringling unter den tief in der Erde schlafenden Toten, dann glaubt man daran. Dann ist es wie eine Strafe, daß man daran glauben muß.