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Reichsspiegel :
(vom 26. November bis 1. Dezember)
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Reichsspiegel

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Reichsspiegel

(vom 26. November bis 1. Dezember)

Bank, Geld und Wirtschaft

Die Unsicherheit der politischen Lage Wirtschaftliche Folgen des Krieges Die Moratorien der Balkanstaaten Wechselrechtliche Notgesetze Die Beunruhigung der Sparer Die Verkehrsstockungen im Ruhrgebiete Ihre Ursache und Ab­hilfe Die Lage des Geldmarktes Internationale Ansprüche und heimischer An­leihebedarf

Die Voraussicht, daß die Entspannung der politischen Lage sich nicht ohne Rückfälle und erneute Krisen vollziehen werde, hat nur zu bald ihre Bestätigung erfahren. Der Interessengegensatz der an den Balkanfragen meist beteiligten Großmächte schien sich letzter Woche zu offenem Konflikt zuzuspitzen. Nachrichten und Gerüchte über Mobilisierungen in Österreich, Nußland und sogar in Deutschland (!), Sensationsdepeschen über den bedrohlichen Stand der Dinge im europäischen Konzert füllten die Spalten der Tagesblätter und erregten eine tiefgreifende Beunruhigung und Kriegsfurcht. Das Barometer der Börse sank wieder auf Sturm. Eine energisch gehaltene Beschwichtigungsnote der Reichsregierung war notwendig, um der Kopflosigkeit zu steuern und eine größere Gelassenheit gegenüber der zwar ernsten, aber doch nicht unmittelbar bedrohlichen Lage zum Siege zu verhelfen. Die Wolken verzogen sich wieder und heute herrscht auf wie lange? wieder die allgemeine Zuversicht, daß die definitive Regelung der Balkanfrage unter den Großmächten in Freundschaft und Frieden erfolgen werde. Indessen hat es mit dieser definitiven Beilegung noch gute Weile, wir wissen, wie langsam internationale Konferenzen arbeiten. Die Balkanfrage wird also günstigenfalls noch auf Monate hinaus eine ständige Sorge und Quelle der Beunruhigung für das Wirtschaftsleben bilden. Mittler­weile machen sich schon jetzt die wirtschaftlichen Folgen des Krieges in steigendem Maße fühlbar. Noch ist zwar die Kraft der Hochkonjunktur in der schweren Industrie nicht gebrochen, aber auf einzelnen Gebieten zeigen sich doch Stockungen, die unmittelbar durch den Krieg veranlaßt werden. So vor allem im Textilgewerbe, so auch in dem Rückgang des Exports von Weißblech, das vornehmlich für die Petroleumindustrie Südrußlands und der Donauländer bestimmt ist. Aber auch in anderen Industriezweigen zwingt die unsichere politische Lage und die Goldteuerung zur Zurückhaltung, und wenn die Montan- industrie zurzeit auch noch über ihre Leistungsfähigkeit hinaus beschäftigt ist, so fangen doch die Aufträge auf längere Zeit hinaus an spärlich zu werden. Am unmittelbarsten spürt die Wirkung des Krieges Österreich-Ungarn: die Liste der Zahlungseinstellungen und Bankrotte beweist es deutlich. Die von den Balkanstaaten dekretierten Moratorien und die faktische Uneinziehbarkeit von Ausständen in der Türkei, hat für viele Exporteure Verlegenheiten und Zahlungsstockungen zur Folge. Besonders nachteilig macht sich fühlbar, daß