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Karl Salzer : ein Roman :
(dreizehnte Fortsetzung)
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Goethe der Weise

Da rinnt in alle Runzeln, die Male Holtner im Gesichte hat, ein gütiges Lachen, und sie sagt:

Nein, auf Kerb darf man sich net lumpen lassen. Ich auch net!"

Sie greift in die Tasche des Rockes. Es klimpert darin. Male hat kein Portemonnaie und keine Börse; sie trägt das Geld lose in der Tasche. Indem sie den Rock nach hinten spannt, krabscht sie es zusammen und streicht es auf der flachen Hand auseinander:

So reich wie unsere zwei Herrn bin ich jo net, Karl, aber für 5 Mark langt's doch noch! Da!"

Karl ist sprachlos. Er guckt die Dreie der Reihe nach an. Die Lippen stehen ihm leise auseinander. Nach einer Weile aber sagt er:

,Meroö auch, mereS auch! Aber ich weiß wirklich net, wie ich das alles ausgeben soll!"

Na, geh nur mall" meint Harmes Holtner,das wird sich schon finden! So ein paar Flaschen Wein reißen ins Geld. Brauchst keinen Rachenputzer zu trinken, das ist net nötig. Jetzert allo, zieh dein Säckchen an und mach dich fertig!"

Karl fährt in seinen Rock, wischt den Mund ab, an dem noch einige Kuchen­krümchen hängen, setzt den Hut auf und geht:

Na, dann adscheh beisammen!" Sieben Uhr komm ich heim und fütter die Gäul!"

Das ist net notwendig!" entgegnet Hannes Holtner.Amesier du dich nur! Ich mach die Gäul heut selber! Laß dir von der Tante Male den Torschlüssel geben, kannst du heimkommen, wann du willst. Allo, Male, geb dem Bub den Torschlüssel!" (Fortsetzung folgt)

Goethe der Weise

Von Houston Stewart Lhamberlain-Bayreuth

Wir entnehmen diesen Aufsatz dem soeben erschienenen umfangreichen Werk Chamberlains über Goethe. (Verlag von F. Bruckmcmn A.-G. München 1912. Preis brosch. 16 M.) Die Schriftltg.

l oethe ist, glaube ich, der weiseste Mensch, von dem wir Kunde besitzen; jedenfalls bildet der Besitz wahrer Weisheit ein hervor­ragendes Kennzeichen dieses Mannes unter anderen bedeutendsten Männern. Er ist nicht Neligionsstifter, nicht Verkünder einer philosophischen Doktrin, nicht stupender Gelehrter, noch träumt er von sozialpolitischer Allbeglückung; vielmehr steht er zu allen derartigen Geistesrichtungen in einem Widerspruch, der ihn solchen Männern gegenüber