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Reichsspiegel :
(vom 10. November bis 16. November)
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Reichsspiegel

(vom 10. November bis 16. November)

Bank, Geld und Wirtschaft

Die Verluste der Börse infolge des Balkankrieges Friedenshoffimngen und Opti­mismus Die Geldteuerung und die Konjunktur Kapitalbedarf der Industrie Das Postscheckgesetz Die Präsidentenwahl in Amerika und ihre wirtschaftlichen Folgen

Die erfreuliche Nachricht, daß die Türkei um einen Waffenstillstand nachgesucht hat, der Wohl als Einleitung der Friedensverhandlungen zu betrachten ist, hat die Überzeugung befestigt, daß das Ende der Balkanwirren bevorsteht. Nachdem die Gefahr eines offenen Konfliktes zwischen Österreich und Serbien, die einen Augenblick lang nahe genug gerückt schien, als beseitigt anzusehen ist, herrscht die ungeteilteste Befriedigung darüber, daß es gelungen ist, jenen gefährlichen Brand auf seinen Herd zu beschränken und sein übergreifen auf die Großstaaten zu ver­hindern. Obwohl nun noch längst nicht alle Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt sind, betrachtet doch die Börse die Angelegenheit als praktisch erledigt und hat sich beeilt, dieser Auffassung durch eine kräftige Erhöhung des Kursniveaus Ausdruck zu verleihen. Das mag etwas vorschnell erscheinen und die nächsten Tage werden uns darüber belehren, ob nicht wieder etwas Wasser in den Wein der freudigen Hoffnungen getan werden muß. Ohne über eine friedliche Er­ledigung der schwierigen Fragen pessimistisch zu denken, wird man annehmen dürfen, daß im Laufe der diplomatischen Verhandlungen sich noch kritische Augen­blicke einstellen werden, in denen der Börse weniger behaglich zumute sein wird als heute. Aber gleichviel, ob uns nun die nächsten Tage noch mehr oder weniger erhebliche Kursschwankungen bringen werden, soviel ist wohl sicher, daß die Episode des Balkankrieges in ihrer unmittelbaren Wirkung aus die Effektenbörsen als abgeschlossen gelten kann und daß es daher möglich ist, heute schon einen Rück- blick auf diese bewegte Zeit zu werfen. Die kritische Periode umfaßt genau den Monat Oktober-, aus einem Vergleich der Kurse am Ende September mit denen Ende Oktober läßt sich daher ziemlich genau erkennen, was für Einbußen und Verluste diese verhältnismäßig kurze Spanne Zeit verursacht hat. Der Kurswert der Effekten, welche an der Berliner Börse gehandelt werden, ist Ende Oktober derart gesunken, daß man über zwei Jahre zurückgehen muß, um ein gleiches Niveau zu finden. Mit den Septemberkursen verglichen, berechnet sich der Minder­wert der Papiere des Berliner Kurszettels auf nicht weniger als zwei Milliarden Mark. Natürlich handelt es sich dabei nur zum allergeringsten Teil um realisierte Verluste, da die Berechnung das gesamte emittierte Kapital erfaßt. Aber ob