Aarl Walzer
<Lin Noman von Richard Anies (Fünfte Fortsetzung)
„Tante Settchenl" sagt Karl, „drauß die henn Angst, sie bekämen ihren Lohn netl"
Ein ängstlich fieberndes Fragen ist in seinen Augen und ein Hilfesuchen dabei.
„Gott sei Dank, lieber Bub, daß ich mir ein Bißchen von meinem Haushaltungsgeld abgezwackt und zurückgelegt hab. Stell mal die Rechnung auf, was es machtl"
Karl holt ein Stückchen Kreide hervor und rechnet damit auf der Tischplatte. Wo sie fettige Stellen hat, muß er fest auf die Kreide drücken. Er multipliziert und addiert, rechnets noch einmal nach und sagt:
„Stimmt! Zweiundsiebzig Mark und einunddreißig Pfenning machts, Tante Settchenl"
Tante Settchen spricht die Zahl nach, hört mit der Arbeit am Herde auf, rückt den Küchenstuhl vor den Schrank und steigt darauf. Auf dein Schranke stehen allerlei Schüsseln und Töpfe, eine wenig gebrauchte dient ihr als Geldkassette. Sie greift hinein und nimmt den Fuß eines roten Strumpfes, der mit einem blauen Bändchen zugebunden ist, heraus, schüttet das Geld auf den Küchentisch uud fängt zu zählen an. Es sind zwei Zehnmarkstücke und eines zu zwanzig dabei, der Nest ist Silber, Nickel und Kupfer.
»Zehn, zwanzig, vierzig, zweiundvierzig, siebcnundvierzig, neunundvierzig dreiundfuffzig, fünfundfuffzig. . ."
Bei vierundsechzig hält Tante Settchen mit Zählen inne und wischt sich den Schweiß von der Stirne, denn es sind nur noch wenige Silberstücke da. Wird es reichen auf 72.31?
Und wieder fährt der Zeigefinger ordnend unter den Münzen herum. Je uäher an die Siebenzig, um so stärker klopft den beiden Menschen das Herz.
Gott sei Dank, es sind über zweiundsiebenzigl
Tante Settchen zählt weiter, und als sie fertig ist, sagt sie mit bitterer Stimme:
„Bub, jetzert henn wir noch neunnndvierzig Pfenning zu verleben!" „Tante Settchen, die Hinkel legen ja noch fleißig!" tröstet der Bursche, schließt den Küchenschrcmk auf und sieht nach dem Brot.