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Reichsspiegel :
(vom 26. August bis 1. September)
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Reichsspiegel

(vom 26, August bis 1. September)

Bank und Geld

Der Geldmarkt Diskonterhöhung in England Die Lage im Inlands Die spekulative Bewegung an der Börse Die Gefahren der spekulativen Übertreibung Börsenspekulation und Banken Der Verlauf der gegenwärtigen Kursbewegung

Früher als sonst in regulären Zeiten hat die Herbstbewegung auf dem Geldmarkt eingesetzt. Die Bank von England hat den Anfang gemacht und ihren Zinsfuß auf 4 Prozent erhöht, einen vollen Monat früher, als sie sonst zu der üblichen Herbstverteurung des Zinssatzes zu schreiten pflegt. Denn wenn man vom Jahre 1907, jenem Hochkonjunkturjahr unseligen Angedenkens, absieht, hat immer erst der September oder der Oktober ein Wiederanziehen der Zinssätze nach der sommerlichen Abspannung gezeitigt. Im Jahre 1908, dem Jahre der Depression, ist dieses Anziehen vermehrten Geldbedarfs sogar ganz ausgeblieben. Damals konnte die Bank ihren Zinsfuß während des ganzen Herbstes auf den minimalen Stand von 2Vs Prozent belassen und sah sich erst bei Beginn des neuen Jahreseinem gleichfalls ungewöhnlichen Termin veranlaßt, zu einer Erhöhung zu schreiten. Dieser Vergleich zeigt deutlich, wie sich die Verhältnisse des Geldmarktes im Laufe dieser vier Jahre verschoben haben. Die internationale Hochkonjunktur fängt an. sich auf dem Geldmarkte energisch fühlbar zu machen. Die Diskonterhöhung der Bank von England war schon mit Sicherheit seit einiger Zeit vorauszusehen. Der Privatdiskont war über die Bankrate hinaus gestiegen und der Wechselbestand der Bank infolgedessen derart angeschwollen, daß er sich um etwa zehn Millionen Pfund höher stellte als im Vorjahre. Zugleich machten bedeutende Goldausgänge für brasilianische Rechnung und ein deutscher Goldbezug von zehn Millionen Mark ein Anziehen der Diskontschraube erforderlich, um einer Fortsetzung des Abflusses zu begegnen. Die Maßnahme ließ sich auch schon deshalb nicht länger aufschieben, weil Amerika von Tag zu Tag mehr als Geldnehmer auftritt. Die Erntebewegung hat dort begonnen und beansprucht zur Finanzierung erhebliche Kapitalien. Diese bereit zu stellen wird dem New Jorker Markt um so schwerer, als das Wirt­schaftsleben einen fortschreitenden Aufschwung zeigt und große Mittel absorbiert. Daher lassen die Bankausweise eine zunehmende Schwächung erkennen und es kann mit Sicherheit darauf gerechnet werden, daß der Geldbedarf der New Aorker Börse binnen kurzem einen außerordentlichen Umfang annehmen wird. Einstweilen ist nun erfreulicherweise noch keine unmittelbare Rückwirkung der internationalen Versteifung auf den Geldmark im Inlands zu verspüren. Der Status der