Reichsspiegel
(vom 12, August bis 13. August) Sozialdemokratische Bildungsarbeit
Seit einer Reihe von Jahren ist die sozialdemokratische Partei bemüht, durch eine systematische Bildungsarbeit an den arbeitenden Klassen für ihre Zwecke und Ziele zu wirken. In bürgerlichen Kreisen hat man mit Interesse — und einer gewissen Besorgnis — diese stets wachsende Arbeit verfolgt, und mehr als einmal sind die bürgerlichen Parteien auf das sozialdemokratische Vorbild mit der Aufforderung hingewiesen worden, es der Partei des Umsturzes gleichzutun, wie sie Wissenschaft und Kunst in den Dienst der Partei, in den Dienst der Werbung um Anhänger zu stellen. Der soeben veröffentlichte Bericht des sozialdemokratischen Parteivorstandes an den diesjährigen in Chemnitz stattfindenden Parteitag legt Rechenschaft darüber ab, was im verflossenen Jahre an „Bildungsarbeit" — dieses ist der tenuilÜLUs teolmicus der Partei — geleistet worden ist. Es verlohnt sich diesen Rechenschaftsbericht zu prüfen, wobei jedoch im Auge zu behalten ist, daß während der größeren Hälfte des Winters 1911/12 das öffentliche Interesse durch die Reichstagswahlen in Anspruch genommen wurde — ein Umstand, der selbstverständlich auf die Abhaltung von Vortragskursen, einzelnen Vorträgen und sonstigen Darbietungen aller Art erheblich eingewirkt hat.
Drei Arten von Bildungsveranstaltungen sind zu unterscheiden: I. die von örtlichen Bildungsausschüssen veranstalteten wissenschaftlichen Kurse bzw. Einzel- vorträge; II. die wissenschaftlichen Wanderkurse-, III. künstlerische und gesellige Veranstaltungen.
I. Der Rechenschaftsbericht ergiebt, daß von örtlichen Bildungsausschüssen in 127 (177)") Orten 243 (345) Vortragskurse vor 34336 (45873) Teilnehmern gehalten wurden. Was in diesen Kursen geboten wurde und wie groß die Beteiligung war, darüber gibt die folgende Tabelle Aufschluß, die nach der Zahl der Teilnehmer geordnet ist:
") Die eingeklammerten Zahlen sind die deS Vorjahres. Grenzvoten III 1912
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