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Die Blume des Florentin Kley :
(Schluß)
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Lmil Rosenow

vom Qualm der gestrigen Kartoffelfeuer, wie ein Zurückdenken an köstlich gewesene Arbeit.

Wieschen blickte noch einmal um und sah die Berge wie brennend in ihrer Herbstfärbung. Als sie wieder gerade hinaus in die Ebene blickte, meinte sie zu wissen, die Berge hinter ihr seien zu Asche verbrannt. Das Dampfen der Kartoffelfeuer und das Erntestngen war auch in den Feldern zwischen den Bergen gewesen. So blieb das Mutterland dasselbe, nur die Menschen würden andere sein. Wieviel Freunde können einem aus fremden Menschen werden! Wieschen streckte die Finger, als wolle sie die neuen Freunde daran abzählen. Sie hätte neben dem Wagen hergehen und wandern mögen, um mit starken, schallenden Schritten allen Mut zu zeigen, der in ihr war. Als sie einmal, sich frei fühlend, hoch aufatmete und nicht mehr, wie sonst schon, ins Husten kam, meinte sie kräftig und gesund zu sein.

Die Herbstsonne, die in den Mittag rückte und der sie schräg entgegen­fuhren, spann feine Fäden durch des Mädchens jetzt im Schoß gefaltete Hände. Matt wie ihre Wärine, zag und zart wie einer dieser leuchtenden hellen Sonnen­fäden war auch das Leben des Wieschen. Aber ihre Hände waren stark und gefaltet, als hielten sie die lockeren Fäden fest. Es schien, als könne keiner entgleiten. So faßte sie ihr eigenes Leben an, mit solcher gleichen Stärke, so arbeitete sie mit der Jnnenkraft ihrer Seele an dem Gesunden ihres Leibes. Und so fuhr sie in die Ebene wie in ein neues Leben hinaus.

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(Lmil Rosenow

Von Dr. Heinrich Sxicro-Hamburg

st es wirklich ein Naturgesetz, daß der dramatische Genius sich rascher verzehrt als jeder andere? Von allen großen deutschen Dramatikern ist nur Grillparzer ins hohe Alter gekommen, die anderen sind alle auf der Höhe ihrer Bahn abgeschieden, und mehr als ein verheißungsvoller Schöpfer hat kaum die ersten Schritte auf dem Wege zum Siege zurückgelegt. Verzehrt das leidenschaftliche Zusammenschauen der Dinge, das vor anderen Dichtern der Dramatiker braucht, zu rasch die inneren Kräfte? Spannt die immer wieder plastisch arbeitende Einbildungskraft die Seele bis zu so unerträglicher Dehnung, daß immer wieder allzu früh der endgültige Riß aufklafft?