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Schaffen und Genießen : die Tendenz zur reinen Konsumtion und ihre Bekämpfung. I.
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schaffen und Genießen

Die Tendenz zur reinen Konsumtion und ihre Bekämpfung Von Professor Dr. Alfred Vierkandt-Berlin

Alles im Menschen ist Organisation. Was in ihm gedeihen soll, muß in ihn gesäet werden.

Wilhelm v. Humboldt

I.

eit etwa einem Jahrzehnt scheint sich in der ganzen Art unseres geistigen Lebens ein einschneidender Umschwung vollziehen zu wollen: die Zeit zu einer großen Synthese scheint heranzukommen. Das vorige Jahrhundert hat gerade wegen seiner gewaltigen technischen, wirtschaftlichen, sozialen und wissenschaftlichen Fort­schritte sehr viel niedergerissen und zerstört. Aber bei der atemlosen Hast der Neugestaltungen hat man sich kaum die Zeit genommen, diese Schäden zu beachten. Jetzt fangen wir an uns ihrer und ihrer gewaltigen Tragweite bewußt zu werden. Wir beginnen uns gegen sie zur Wehr zu setzen, für das Verlorene nach Ersatz zu suchen und an dem Neubau zu arbeiten. Unser Leben gewinnt damit einen erhöhten dramatischen Reiz: überall kämpfen wir gegen die ent­standenen Übel an und suchen neue Güter zu schaffen; und über all das einzelne hinaus erhebt sich das Streben nach einer neuen Lebensauffassung, einer neuen Weltanschauung, einem neuen Stil des Lebens. Von einer jener zerstörenden Tendenzen und ihrer Bekämpfung soll im folgenden die Rede sein; und wir beabsichtigen damit zugleich an einem Beispiel die Natur der großen sittlichen Aufgabe zu zeigen, vor die unsere Zeit gestellt, und die Art, wie ihre Lösung anzustreben ist.

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Am klarsten ist die Tendenz, von der wir sprechen, auf dem Gebiete der häuslichen Wirtschaft. Goethe wußte in seinen Episteln noch für eine ganze Anzahl erwachsener Töchter für jede eine andere Art häuslicher Tätigkeit, die ihre Kräfte voll in Anspruch nahm. Damals gehörten Tätigkeiten wie das Schlachten, Backen, Spinnen und Schneidern, der Anbau von Gemüse und Obst im Garten und das Einmacheu des Gemüses und manches andere noch zu den regelmäßigen häuslichen Tätigkeiten. Heute finden wir Anklänge an diese Grenzvoten III 1912 45