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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Philosophie

lem» con v»ris?Ione. In den Anfängen des menschlichen Denkens war die Mathematik eine Wissenschaft, die es als ihre Aufgabe erkannte, die Beziehungen und Größen der von uns sinnlich wahrnehmbaren Figuren auszumessen. Allmählich emanzipierte man sich von der Sichtbarkeit der einzig von unseren Sinnesorganen zu perzipierenden Körper und erkannte oder einigte sich darüber, daß der Gehalt des mathematischen Begriffs nicht be­gründet sei in isolierten Vorstellungsinhalten, sondern in der Operation des Geistes und den idealen Beziehungen, die durch sie erfaßt waren. So überwand man die Unzuläng­lichkeiten der Empirie, ja schreckte auch nicht mehr zurück, mit ihr nötigenfalls in Konflikt zu geraten, unterstanden doch nun die Gebilde des mathematischen Denkens keinem anderen Gesetz als demjenigen, das unser eigener Geist ihnen vorschreibt.

Ein anderes Beispiel der Besinnung unserer Seele auf ihr Recht der Eigengesetzlichkeit bietet die Kantische Ethik im wesentlichen das Plaidoyer der radikalen Loslösung des sittlichen Bewußtseins von allen das Gewissen trübenden, aus anderen Provinzen des Geistes hereinbrechenden Gewohnheiten und Traditio­nen, ein leidenschaftliches Ringen wie oben im Bereich der Mathematik um freieste Selbstbestimmbarkeit, Autonomie des Willens, der im Sittlichen, allen Gewöhnungen zum Trotz, nichts anerkennen darf, kann, als was aus dem Einzigkeitspunkt der individuellsten Seele quillt.

Auch aus unseren neuesten Tanzmanieren spricht eine solche Tendenz nach Überwindung konventioneller Bestimmungen und Einflüsse, ein Abweisen dessen, was nicht voll und ganz von der Nuance des eigenen Wesens gefärbt ist. Wie wir es in den Anfängen der Mathe­

matik gewiß naheliegend finden, das durch die Sinne unmittelbar Gegebene, das Ge­sehene, das mit ihnen, an ihnen zu Kon­trollierende zum Kriterium der Wahrheit zu machen, wie wir verstehen, daß die Menschen ursprünglich auch in der Musik nur Themen von ihrer Primitiven Seele wohl­tuender Simplizität goutierten, so wiegte man sich auch im Tanze einzig im Rhythmus der gespielten Musik, oder besser: in einer unmittelbar auf der Oberfläche schwimmenden Rhythmik. In unserer Zeit neigen wir dazu, das Synkopenhafte, das man innerhalb des rein Akustischen, im Quattrocento als etwas Störendes empfunden hat, selbst in unseren Bewegungen zu realisieren.

Wer denBoston" in seinen ersten Ent­stehungen beobachtet hat, weiß, wie man mit geradezu mathematischer Exaktheit, in reaktio­närer Abhängigkeit der ersten Opposition, regelmäßig einige Sekunden nach der von der Musik markierten Cäsur niederglitt, bis endlich das naiv Oppositionelle völlig schwand und damit die Regelmäßigkeit die mit negativen Vorzeichen gleichsam die Inten­tionen des Ballorchesters anerkannte, einer absoluten, in sich ausschwingenden Eigen­gesetzlichkeit wich.

Alles was ist, ist Geist", er ist es, der die Welt der Tatsachen begreift, der die Tat­sachen in der Geordnetheit, in der wir sie als Tatsachen bezeichnen, aus sich schasst, so daß, er mit ihnen nie in einen ernstlichen Konflikt geraten kann. Und wo immer der Geist sie nicht umgreifen zu können scheint,um so> schlimmer für die Tatsachen."

Mit der gleichen Kühnheit (ich sage nicht ebenso imposant, aber aus der gleichen Kühn­heit heraus) ist auch für uns der Rhythmus des Komponisten und seiner Interpreten als etwas, was nicht ganz wir sind, eine czuantitö nöZIiZesble.