Bremen
Von einem Hanseaten
remen steht mit einer Viertelmillion Einwohner unter den deutschen Städten an sechzehnter Stelle. Als größter deutscher Seehafen nächst Hamburg, als von Jahr zu Jahr wachsender Jndustrieplcch besitzt es wirtschaftlich eine über seine Größe weit hinausgehende Bedeutung. Als „freie" Stadt und deutscher Bundesstaat nimmt es auch politisch eine Sonderstellung ein, die seine wirtschaftliche Entwicklung wesentlich beeinflußt hat.
Bremens Handel hat in den letzten vierzig Jahren, namentlich seit dem im Jahre 1883 erfolgten Zollanschluß und seit der Regulierung der Unterweser, einen bedeutenden Aufschwung genommen. Daß dieser Aufschwung mit dem Hamburgs und anderer großer Häfen des europäischen Festlandes nicht ganz Schritt gehalten hat, ergibt ein Bericht der Handelskammer zu Antwerpen, dem wir folgende Zahlen über die Ankunft von Seefrachten an den betreffenden Plätzen entnehmen:
1870 1880 1890 1900 1910
Reg.-To. Reg.-To. Reg.-To. Reg.-To. Reg,-To. Bremen. . . . 660 089 1 169 466 1 733 809 2 494 059 4129 998 Hamburg . . . 1 389 789 2 766 806 5 202 825 8 037 514 12 657 000 Antwerpen. . . 1 362 616 3 063 825 4 506 277 6 720 150 12 654153 Rotterdam. . . 1 026 343 1 681 650 2 918 425 6 326 901 10 876 507
Bremens Handel hat sich somit in vierzig Jahren versechsfacht, während der seiner Konkurrenten, unter denen Rotterdam und Antwerpen auffallen, sich im gleichen Zeitraum verzehnfachte. Woran liegt das? Welche Umstände fördern und welche hemmen die Entwicklung Bremens?
Als förderndes Moment wird man, wenn man von hanseatischem Unternehmungsgeist, von der Zähigkeit und Ausdauer absieht, welche einer Bevölkerung
Grcnzboten III 1912 SS